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Drei von vier Deutschen möchten zu Hause im Kreis ihrer Familie sterben. Doch nur wenigen wird dieser Wunsch erfüllt. Dabei ist die Pflege todkranker Menschen in ihrer gewohnten Umgebung mit etwas Mut und der richtigen Unterstützung durchaus möglich.

Laut Angaben des deutschen Ärzteblattes vom 6. Juni diesen Jahres gehen bei der Frage nach dem bevorzugten Sterbeort der Deutschen Wunsch und Wirklichkeit stark auseinander: Demnach möchten 76 Prozent der Bevölkerung am liebsten zu Hause sterben, tatsächlich ist dies aber nur bei 20 Prozent der Fall. Im Gegenzug wollen nur sechs Prozent im Krankenhaus sterben, während die reale Quote bei 46 Prozent liegt. Natürlich geben diese Zahlen nur Durchschnittswerte an. Die regionalen Unterschiede sind recht hoch und hängen mit der jeweiligen Palliativversorgung zusammen. Je besser die ambulante Palliativversorgung ist, desto weniger Menschen bleiben bis zu ihrem Tod im Krankenhaus.

Dass so viele Menschen in Krankenhäusern und Pflegeheimen sterben, liegt natürlich daran, dass die meisten vor ihrem Tod sehr krank oder stark pflegebedürftig sind. Das erst kürzlich geänderte Hospiz- und Palliativgesetz hat die Versorgung von Patienten am Lebensende verbessert und zielt vor allem darauf ab, mehr Menschen das Sterben in einem Hospiz oder eben mit entsprechender fachlicher Unterstützung auch zu Hause zu ermöglichen. Wer sich nach reiflicher Überlegung dafür entscheidet, einen sterbenden Angehörigen bis zum Tod in der häuslichen Umgebung zu versorgen, braucht vor allem ein erfahrenes Palliativteam an seiner Seite und wichtige Informationen. Eine sehr empfehlenswerte Lektüre in dieser Situation ist das Buch „Zuhause sterben“ von Renate Werner.

Ein hilfreicher Ratgeber: „Zuhause sterben“

Die Filmemacherin und Journalistin hat eineinhalb Jahre intensiv recherchiert, bevor sie dieses Buch geschrieben hat: Sie begleitete Palliativärzte und-pfleger, Seelsorger und Hospizmitarbeiter und hielt intensiv Kontakt zu betroffenen Patienten und ihren Angehörigen. Neben Zahlen und Fakten zum Thema hat Renate Werner umfangreiche Informationen zusammengetragen, die viele Fragen bei der Palliativversorgung zu Hause beantworten: Was muss alles im Vorfeld organisiert und beantragt werden, was sind die Grundvoraussetzungen, welche Hilfsangebote gibt es, wer sind die richtigen Ansprechpartner, was ist bei der Ernährung und bei der Schmerztherapie zu beachten, was kann für Entspannung sorgen?

Das Buch geht außerdem auf die Besonderheiten bei der Betreuung sterbenskranker Kinder und Jugendlicher ein und widmet sich auch den Themen Vorbereitung auf das Sterben und Sterbehilfe. Praktisch sind vor allem die vielen Links, Adressen, Checklisten und Musterbriefe sowie Hinweise zu weiterführender Literatur. Insgesamt ist das Buch ein sehr nützlicher kompakter Ratgeber, der bewusst keine Nuance des Sterbens auslässt, bei der realistischen Einschätzung der eigenen Möglichkeiten hilft und Mut macht, diese anspruchsvolle Aufgabe zu übernehmen.

Cathrin Gawlista

Buchempfehlung:
Werner, Renate: Zuhause sterben. Claudius Verlag 2014.

Bild www.claudius.de

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Die Frage, wie man Trauernden hilfreich begegnet, verunsichert generell viele Menschen. Insbesondere im Umgang mit trauernden Kindern ist die Angst, Fehler zu machen, meist besonders groß. Ein guter Anfang ist der Blick auf die kindliche Wahrnehmung.

Es wird oft vergessen, dass auch im Leben vieler Kinder Trauer eine große Rolle spielt: In Deutschland leben rund 800.000 Kinder, von denen mindestens ein Elternteil verstorben ist. Viele haben ein Geschwisterkind zu betrauern und zu eigentlich fast jeder Kindheit gehört der Verlust einer Oma oder eines Opas. Die Frage, wie man auf Kinder in dieser Situation zugeht, stellen sich neben den engsten Familienangehörigen natürlich auch Erzieher, Lehrer, Nachbarn, Freunde usw. Zwar sollte man sich im Umgang mit trauernden Kindern im Zweifel auf seine Intuition verlassen, ein paar Grundregeln können aber Sicherheit geben:

Am wichtigsten ist das Verständnis dafür, dass besonders kleine Kinder ein ganz anderes Trauerverhalten zeigen als Erwachsene und meist sehr schnell zwischen sehr traurigen und sehr fröhlichen Momenten wechseln. Das liegt unter anderem daran, dass ihr Verhalten noch nicht von vermeintlichen gesellschaftlichen Regeln bestimmt wird und dass sie manchmal auch Angst haben, zu sehr von ihrer Trauer überrollt zu werden. Die Todesnachricht sollte kindgerecht vermittelt werden, also weder ausweichend noch durch missverständliche Umschreibungen. Ein gut gemeintes „Der Opa ist friedlich eingeschlafen“ etwa kann leicht dazu führen, dass sich ein Kind danach weigert, abends ins Bett zu gehen.

Kinder wollen ernst genommen werden und brauchen einen verlässlichen Ansprechpartner. Wenn zum Beispiel ein Elternteil verstorben ist, hat der andere Elternteil in seinem eigenen Schmerz meist nicht in die Kraft, dem Kind dieser Ansprechpartner zu sein. Diese Aufgabe können vertraute Nachbarn, Paten oder andere Verwandte übernehmen. Am besten signalisiert man den Kindern, dass sie jederzeit über das Geschehene sprechen können und dass jede geäußerte Emotion willkommen ist. Auch das Weiterführen des gewohnten Alltags ist für Kinder in der Trauersituation eine große Hilfe. Dabei können Außenstehende Trauerfamilien sehr gut unterstützen, indem sie zum Beispiel für das Kochen, Einkäufe, die Hausaufgabenbetreuung oder Fahrdienste einspringen.

Oft neigen Kinder dazu, sich für alles verantwortlich zu fühlen. In jedem Fall muss einem Kind deutlich vermittelt werden, dass der Tod des Angehörigen nichts mit seinem Verhalten oder seinen Gedanken zu tun hat. Wichtig ist es auch, dem Kind zu versichern, dass der Verstorbene es geliebt hat, dass er wusste, dass das Kind ihn geliebt hat, und dass er dem Kind nur das Beste für sein weiteres Leben wünscht. Aus dieser Bestätigung ziehen Heranwachsende sehr viel Vertrauen und Kraft für ihren weiteren Lebensweg. Für die Bestattung gilt, dass das Kind alles darf, aber nichts muss: Vielleicht möchte es den Verstorbenen noch einmal sehen oder sogar anfassen, ein Bild malen oder einen Abschiedsbrief schreiben und an der Bestattung teilnehmen. Vorher sollte es unbedingt altersgerecht auf die jeweilige Situation vorbereitet werden und natürlich auch jederzeit gehen können, wenn es ihm zu viel wird.

Bei aller charakterlichen Einzigartigkeit jedes Kindes gibt es für verschiedene Altersstufen typische Verhaltensweisen und Wahrnehmungsarten, auf die man sich als Bezugsperson im Trauerfall einstellen sollte. Kinder unter drei Jahren haben noch keine Vorstellung vom Tod und sprechen auch nicht darüber, nehmen aber die veränderten Emotionen in ihrer Umgebung sehr deutlich wahr. Sie haben häufig ein verstärktes Kuschelbedürfnis. Kindergartenkinder vergleichen den Tod oft mit dem Schlaf und begreifen noch nicht seine Endgültigkeit. Sie reagieren in der Trauersituation vielfach mit starken Verlustängsten. Grundschulkinder verstehen immer mehr, dass das Sterben nicht reversibel ist und dass auch sie selbst sterblich sind. Sie stellen sich den Tod meist bildlich als Sensemann oder Engel vor und stellen viele Fragen. Manchmal sehen sie den Tod als Strafe und entwickeln Schuldgefühle oder extreme Wut. Jugendliche beschäftigen sich schon sehr konkret mit dem Thema Endlichkeit, was sie gleichzeitig fasziniert und ängstigt. Viele ziehen sich in der Trauersituation sehr zurück oder geben sich auffallend unbeteiligt.

Manchmal ist professionelle Hilfe notwendig

In der Regel richten sich Kinder und Jugendliche nach einer gewissen Zeit in ihrer neuen Lebenssituation ein. Dann wird aus der ohnmächtigen Trauer ein zwar lebenslang schmerzhaftes, aber auch sehr liebevolles und positives Erinnern. Dennoch sollten Bezugspersonen mögliche Hinweise darauf, dass das Kind oder der Jugendliche in seinem Trauerprozess blockiert ist und Gefahr läuft, später psychisch zu erkranken, sehr ernst nehmen. Zu diesen Warnsignalen gehören ganz verschiedene Verhaltensweisen: ein starker Rückzug von Familie und Freunden, dauerhafte Leistungseinbrüche in der Schule, ein vermeintlich gleichgültiges Weitermachen wie bisher, aggressives oder selbstverletzendes Verhalten, starke Trennungsängste und anhaltende Symptome wie Schlaflosigkeit, Bettnässen, Appetitlosigkeit oder Kopfschmerzen.

In diesen Fällen ist eine professionelle Unterstützung durch einen Psychologen dringend ratsam. Vielen Kindern helfen auch Trauergruppen, die in ganz Deutschland angeboten werden. Darin finden sie einen geschützten Raum, in dem sie sich mit anderen Betroffenen austauschen können und nicht das Gefühl haben, ihr Umfeld mit ihren oft widersprüchlichen Gefühlen zu belasten. Kleinere Kinder können dort durch Spielen, Malen oder Toben ihre Trauer ausdrücken und so leichter damit umgehen.

Den meisten Kindern helfen aber schon die genannten Unterstützungsmöglichkeiten in ihrem vertrauten Umfeld und die Bereitschaft, ihre individuelle Art der Trauerbewältigung zu akzeptieren. Erwachsene, die sehr unsicher sind, sollten sich dennoch ein Herz fassen und mutig auf die Kinder zugehen: Wichtiger als das Richtige zu tun ist es, sich überhaupt bewusst mit der Trauer des Kindes auseinanderzusetzen und ihm ein Gefühl von Stabilität und Zuverlässigkeit zu geben. Wenn das gelingt, können die Großen sogar ungemein von dieser Interaktion mit den Kleinen profitieren, denn „Kinder, die sich auch angesichts eines Verlustes sicher fühlen, sind die besten Lehrmeister für einen unverkrampften Umgang mit Tod und Trauer.“ *

Für trauernde Kinder oder Jugendliche und ihre Bezugspersonen empfiehlt sich ein Anruf bei der Hilfsorganisation „Lebensquelle Trauer“ unter der Nummer 0700-70400400. Hier stehen ausgebildete Trauerbegleiter für Gespräche zur Verfügung. Umfangreiche Informationen finden sich außerdem im Netz unter www.kindertrauer.info.

Cathrin Gawlista

Bild Fotolia/Phils Photography

* Zitat aus dem Buch „Keine Angst von fremden Tränen“ von Chris Paul

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Wir sind alle ständig online, um uns zu informieren, zu amüsieren, einzukaufen oder mit anderen zu kommunizieren. Inzwischen hat auch das Trauern und Erinnern selbstverständlich einen Platz im Internet gefunden. Eine Betrachtung öffentlicher Trauer.

Trauer kommt im Netz auf ganz verschiedene Arten zum Ausdruck. Viele Menschen äußern sich in den sozialen Netzwerken wie Facebook oder Twitter, wenn sie trauern. Und das nicht nur, wenn sie von einem ihnen nahestehenden Menschen Abschied nehmen müssen – auch beim Tod mehr oder weniger berühmter Persönlichkeiten posten viele Ihre Trauer oder Anteilnahme. Ebenso wird nach Naturkatastrophen, Terroranschlägen oder anderen Unglücksfällen kollektiv öffentlich getrauert und der Opfer gedacht. Dabei geht es aber vor allem darum, ein Zeichen zu setzen und vielleicht mit einem Statement seine Gesinnung kundzutun. Obwohl bei der Mehrheit der Online-Community Einigkeit über den Sinn dieser Trauerbekundungen zu herrschen scheint, werden immer mal wieder einzelne Stimmen von Menschen laut, die sich davon distanzieren.

Eine weitere wichtige Variante des Online-Trauerns liegt in den persönlichen Gedenkseiten für Verstorbene in speziellen Gedenkportalen. Nachdem zunächst einige Verlage begonnen hatten, die gedruckten Traueranzeigen ihrer Zeitungen ins Internet zu stellen, entwickelten sich schnell verschiedene Gedenkportale, deren Gedenkseiten weit mehr Inhalt boten als nur die biografischen Daten des Verstorbenen und einen Trauerspruch. So können je nach Portal zum Beispiel Fotos oder Musikstücke hochgeladen, Anekdoten oder wichtige Stationen aus dem Leben des Verstorbenen geschildert oder virtuelle Kerzen angezündet werden. In der Regel sind Gedenkseiten mit Kosten oder hohem Werbeaufkommen verbunden, dennoch erfreut sich dieses Angebot grundsätzlich wachsender Beliebtheit. Aufgrund der großen Nachfrage haben heute einige Bestatter bereits eigene Gedenkportale und bieten bei einem Bestattungsauftrag den Trauernden als besonderen Service eine kostenlose persönliche Gedenkseite für den Verstorbenen.

Gedenkseiten halten die Erinnerung lebendig

Ein großer Vorteil der Gedenkseiten liegt darin, dass jeder Verstorbene so wesentlich länger im Fokus der Aufmerksamkeit bleibt. Früher beklagten manche Angehörige, dass schon kurze Zeit nach der Bestattung in ihrer Wahrnehmung das Umfeld einfach wieder zur Tagesordnung überging und der Verstorbene vermeintlich in Vergessenheit geriet.

Gedenkseiten bieten so viele Möglichkeiten, gemeinsam die Erinnerung an ein vergangenes Leben wachzuhalten, den Verstorbenen zu ehren und den Angehörigen Trost zu spenden und Mut zuzusprechen. Die Freunde und Bekannten der Trauernden können auf diesem Weg ihre Anteilnahme ausdrücken, ohne Gefahr zu laufen, einen unpassenden Moment zu erwischen. Wer möchte, hat hier die Gelegenheit, ganz persönliche Abschiedsworte an den Verstorbenen zu richten. Die so geteilte Trauer und der häufig rege Austausch untereinander können für alle Beteiligten auch noch lange nach der Beisetzung eine wertvolle Hilfe sein.

Natürlich wird nicht jede Seite gleich häufig frequentiert und auch die Zahl der Kondolenzeinträge oder der angezündeten virtuellen Kerzen variiert sicher erheblich. Immerhin sind auch die Trauergemeinschaften von Trauerfall zu Trauerfall sehr unterschiedlich zusammengesetzt. Zudem sollte sich jeder Nutzer darüber im Klaren sein, dass ein Eintrag auf einer Gedenkseite den wichtigen persönlichen Kontakt zu Trauernden nur ergänzen und niemals ersetzen kann. Dennoch ist das Online-Trauern und Online-Gedenken eine bedeutsame Errungenschaft der modernen Trauerkultur. Und sicher hilft es uns allen auch, unserer Endlichkeit ihre verdiente Beachtung zu schenken.

Cathrin Gawlista

Foto: Rapid Data

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Über Sternenkinder wird in der Öffentlichkeit eher wenig gesprochen, dabei gibt es viel mehr verwaiste Eltern, als man denkt. Gegen das Schicksal, sein Kind zu verlieren, kann man nichts machen. Aber man kann sich bewusst und liebevoll verabschieden.

Guter Hoffnung zu sein heißt auch, selbstverständlich darauf zu vertrauen, dass die Schwangerschaft normal verläuft und schließlich ein gesundes Kind die Welt erblickt. Leider ist dieses Glück aber nicht allen Schwangeren vergönnt: Etwa 30 Prozent aller ärztlich festgestellten Schwangerschaften enden mit einer Fehlgeburt, davon wiederum rund 80 Prozent in den ersten drei Schwangerschaftsmonaten. Der Begriff Sternenkinder bezeichnet vorrangig diese fehlgeborenen Kinder, aber im weiteren Sinne auch Säuglinge, die nach Frühgeburt verstorben sind, oder totgeborene Kinder. Manchmal werden Sternenkinder auch als Schmetterlingskinder oder Engelskinder bezeichnet.

Alle Eltern, die sich über Wochen oder Monate auf ihr Kind gefreut haben, werden meist überraschend ihrer Illusion beraubt und dann von den Geschehnissen überrannt. Leider sind noch immer viele Hebammen und Krankenpfleger nicht darin geschult, in so einer Situation den Betroffenen wirklich hilfreich und feinfühlig zur Seite zu stehen. Die Eltern bleiben mit ihrer Trauer allein und wissen nicht, wie sie sich verhalten sollen oder dürfen. Viele bekommen auch aus ihrem sozialen Umfeld zu wenig Unterstützung, fühlen sich teilweise schuldig oder glauben, nach kürzester Zeit wieder „normal funktionieren“ zu müssen.

Dabei ist es gerade bei einem Sternenkind so wichtig, den Verlust zu akzeptieren und das ungelebte Leben bewusst loszulassen. Damit ist genau das Gegenteil von Verdrängung gemeint: Hilfreich sind Erinnerungen daran, wie sehr man sich auf das Kind gefreut und wie man bei seinem Abschied getrauert hat. Gut ist es, wenn man weiß, an wen man sich in dieser Situation mit seinen Fragen, Wünschen und Gefühlen am besten wenden kann.

Schnell die richtige Unterstützung finden

Die vielleicht empfehlenswerteste Anlaufstelle im Netz für Eltern von Sternenkindern ist die Seite www.leere-wiege.de. Hier findet man Rat und Hilfe für den Akutfall, Tipps für eine bewusste Abschiednahme, Bestattungsmöglichkeiten, rechtliche Informationen, amtliche Vordrucke, Selbsthilfegruppen und Therapeuten, weiterführende Literatur und Links, Adressen und vieles mehr.

Für liebevolle Erinnerungen gibt es vielfältige Angebote, vom Fuß- oder Fingerabdruck auf einem Schmuckstück bis zum auf Leinwand gezogenen Ultraschallbild. Besonders erwähnenswert ist in diesem Zusammenhang die Initiative „Dein Sternenkind“. Dabei sind rund 400 Fotografen in ganz Deutschland unterwegs, die ehrenamtlich Fotos von Sternenkindern machen und den Eltern damit wertvolle Andenken schenken (siehe www.dein-sternenkind.eu). Bei dem Projekt „Herzenssache“ engagieren sich Nähbegeisterte und fertigen ehrenamtlich schöne Kleidungsstücke, in denen Sternenkinder bestattet werden können (siehe www.herzenssache-nfsuf.de).

Rechtlich spielt das Gewicht des Kindes eine Rolle

Der Schmerz und die Trauer der Eltern um ihr ungeborenes Leben bemisst sich natürlich nicht an Zahlen, die rechtliche Situation in so einem Trauerfall aber sehr wohl: Seit dem im Jahr 2013 geänderten Personenstandsrecht haben Eltern auch bei Frühgeburten unter 500 Gramm das Recht, ihr Kind standesamtlich eintragen zu lassen. Sie können ihr Kind auf Wunsch bestatten, müssen es aber nicht. Bei Kindern über 500 Gramm wird aus dem Bestattungsrecht eine Bestattungspflicht. Im Detail unterscheiden sich die Bestattungsgesetze der Bundesländer auch bei den Sternenkindern, die Abweichungen sind jedoch marginal. Weitere Informationen zu den gesetzlichen Regelungen finden Sie unter www.aeternitas.de/inhalt/kind_tod_trauer/sternenkinder/sternenkinder_rechtliches.

Cathrin Gawlista

Quelle: http://www.deutschlandfunkkultur.de/sternenkinder.1124.de.html?dram:article_id=224817

Foto: Pixabay

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Wenn ein Mensch gestorben ist, beginnt für die Angehörigen die Zeit der Trauer, zumindest in den Augen ihres Umfelds. Dabei fängt die Herausforderung des Abschiednehmens doch eigentlich schon in der Phase davor an, wenn der nahe Tod das Leben prägt.

Natürlich trifft viele Menschen der Tod plötzlich und unerwartet, und dann sitzt der Schock bei den Angehörigen besonders tief. Weitaus häufiger jedoch gibt es eine mehr oder weniger lange Zeit, in der dem Sterbenden und seiner Familie bewusst ist, dass das Lebensende bevorsteht. Das ist für alle Beteiligten keine leichte Aufgabe, aber dennoch auch eine Chance: Es gilt, die verbleibendenden Tage, Wochen oder Monate so lebenswert wie möglich zu gestalten, wertvolle letzte gemeinsame Zeit zu verbringen und wichtige Fragen zu klären.

Nicht nur für den Sterbenden selbst bedeutet diese Phase eine große psychische Belastung. Auch diejenigen, die ihm auf diesem schweren Weg zur Seite stehen, befinden sich dabei in einer Extremsituation. Trotz der eigenen Trauer um die Unausweichlichkeit des baldigen Abschieds müssen sie Kraft für die Bewältigung des Alltags und für die Pflege des Sterbenden finden. Und sie müssen es aushalten, wenn die letzte Phase des Lebens mit Schmerzen oder auch mit vielen Ängsten verbunden ist.

Deshalb sind kleine Momente der Freude und der Erholung so wichtig, während man einen geliebten Menschen beim Sterben begleitet. Wenn man ein paar Dinge beachtet, ist es durchaus möglich, dieser schweren Zeit auch Positives abzugewinnen und sich nicht zu überfordern. Dabei geht es weder um richtig oder falsch noch um Perfektion, sondern einzig darum, die jeweilige Situation anzunehmen und den Gestaltungsspielraum zu nutzen.

Offenheit und die richtige Unterstützung sind das Wichtigste

Der vielleicht wichtigste Rat in dieser Situation ist es, so viel wie möglich mit dem Sterbenden zu sprechen. Dabei können in offener und vertrauensvoller Atmosphäre wichtige Fragen geklärt werden, etwa von wem sich der Sterbende noch verabschieden möchte, wo er sterben will und was für eine Abschiedsfeier er sich wünscht. Vielen tut es auch gut, die eigenen Gefühle und Gedanken mitzuteilen oder mit der Familie über besondere Erlebnisse und schöne gemeinsame Erinnerungen zu sprechen.

Entscheidend ist es zudem, möglichst viel Zeit füreinander zu haben. Dafür ist es notwendig, sich geeignete Unterstützung von außen zu holen und zum Beispiel alltägliche Pflichten wie putzen, kochen oder einkaufen an freiwillige Helfer oder entsprechende Dienstleister zu delegieren. Wenn es gelingt, sich diesen Freiraum zu schaffen, sind kostbare kleine Auszeiten möglich, in denen man gemeinsam spielen, Musik hören oder sich einfach nur nahe sein kann. Vielleicht gibt es auch noch letzte kleine Wünsche, die man dem Sterbenden erfüllen möchte.

Angehörige, die einen Menschen an seinem Lebensende begleiten, sollten auch auf ihre eigenen Kräfte achten und ihre manchmal widersprüchlichen Gefühle annehmen. Das Abschiednehmen bleibt eine schmerzhafte Erfahrung und gerade die Trauer vor dem Tod ist eine beachtliche Herausforderung. Es gilt, die Balance zu finden zwischen der eigenen Hilflosigkeit und dem Wunsch, dem Sterbenden eine starke Schulter zu sein. Insbesondere wenn jemand nach langer, schwerer Krankheit stirbt, kommt es daher vor, dass die Angehörigen neben der Trauer eine große Erleichterung fühlen, weil das Leiden ein Ende hat. Und weil ihr eigener Schmerz um den Verlust einer geliebten Person mehr in den Vordergrund rückt. Auch dieses Gefühl bedarf keiner Rechtfertigung.

Cathrin Gawlista

Quelle: http://www.netdoktor.de/palliativmedizin/ein-geliebter-mensch-stirbt-w-13167.html

Foto: Pixabay

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Männer und Frauen gehen bekanntlich ganz unterschiedlich mit ihren Gefühlen um, das schlägt sich auch ihrer Art zu trauern nieder. Männer lenken sich eher ab, während Frauen gerne darüber sprechen. Das fällt besonders ins Gewicht, wenn Paare trauern.

Auch wenn natürlich jeder Mensch auf seine individuelle Art trauert und immer wieder Ausnahmen die Regel bestätigen, lassen sich doch wesentliche geschlechtsspezifische Unterschiede in der Trauerbewältigung ausmachen. Die meisten Männer versuchen ihr Inneres nicht nach außen zu tragen und sich im Trauerfall ihre extreme emotionale Belastung nicht anmerken zu lassen. Sie wollen den Verlustschmerz allein bewältigen und ihrer Trauer analytisch begegnen. Frauen dagegen lassen ihre Trauer zu und haben in der Regel viele Personen um sich herum, denen sie sich auch in gefühlsmäßigen Ausnahmesituationen gerne anvertrauen.

Eine typische männliche Reaktion beim Tod eines geliebten Menschen ist die Flucht in Ablenkung: Viele stürzen sich vehement in die Arbeit, machen extrem viel Sport oder betäuben sich mit Alkohol und Drogen, um die Gefühle von Wut und Hilflosigkeit, die in der Trauer immer mitschwingen, nicht spüren zu müssen. Dass Frauen so ganz anders mit ihrer Trauer umgehen, macht es insbesondere für Paare, die ein Kind verloren haben, außergewöhnlich schwierig. Wenn der Partner bzw. die Partnerin in dieser extrem belastenden Situation so ganz anders reagiert, sind Beziehungsprobleme eher die Regel als die Ausnahme. Auf der anderen Seite können natürlich gemeinsam bewältigte Krisen eine Partnerschaft auch vertiefen, allerdings nur dann, wenn sich beide ihrer Trauer stellen.

Trauer überspielen kann gefährlich werden

In einem Interview zu diesem Thema sagt Dr. Martin Kreuels, der selbst seine Frau verloren hat und sich seitdem als Autor und Fotograf auf verschiedene Weise mit trauernden Menschen beschäftigt: „Ein Mann versucht in einer Stresssituation, die Familie zusammenzuhalten, während die Frau sich fallen lässt. (...) Das ist das klassische Verhalten von uns Männern. Die Frauen leben ihre Trauer aus, während die Männer mehr oder weniger herunterschlucken, sich durch Aktivitäten ablenken oder in ein Suchtverhalten geraten, weil sie nicht darüber reden können. Sie fangen an zu trinken, werden spielsüchtig, flüchten sich in sportliche Aktivitäten...“

Im Verlauf des Interviews führt Kreuels aus, dass diese Art der Kompensation verhindert, dass die Trauer wirklich akzeptiert und man so wieder handlungsfähig wird. Wenn das dauerhaft nicht gelingt, resultieren daraus häufig körperliche Beschwerden, Depressionen oder Suchtprobleme mit den entsprechenden Folgeschäden. Es lohnt sich also, in der Trauer über seinen Schatten zu springen und darüber zu sprechen, auch wenn es ungewohnt ist und einem am Anfang wirklich schwerfällt. Es heißt, dass insbesondere Männer von den Gesprächen in offenen Trauergruppen profitieren, weil sie dort in relativ anonymer und doch verständnisvoller Atmosphäre über ihren Verlust reden können. Und ganz gleich, ob man viel oder wenig Worte über seine Trauer verliert: Es tut Männern und Frauen gleichermaßen gut.

Cathrin Gawlista

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Quelle: https://viabilia.de/m%C3%A4nner-trauern-anders-540.htm

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Im Umgang mit Trauernden herrscht oft große Unsicherheit: Was soll man sagen? Darf man fragen, wie es der trauernden Person geht? Oder sollte man das Thema lieber meiden? Und was ist zu tun, wenn von dem Verstorbenen erzählt wird? Eine Hilfestellung.

„Herzliches Beileid“ als Ausdruck offener Anteilnahme – oder wie kann man sonst seine Betroffenheit zum Ausdruck bringen? Das ist in der Tat nicht einfach, denn sein Beileid bekunden erfordert auch immer Feingefühl.

Wenn ein Bekannter, Verwandter oder Freund um jemanden trauert, wissen viele Menschen nicht, wie sie mit dem Trauernden umgehen sollen. Was tun und was äußern? Manche Menschen sind so sehr verunsichert, dass sie lieber gar nichts sagen oder der betroffenen Person einfach aus dem Weg gehen – nicht etwa aus Bosheit, sondern häufig vielmehr aus Hilflosigkeit und der Angst, etwas Falsches zu sagen oder zu tun.

Natürlich gibt es keine Patentlösung für DIE richtigen Worte oder DAS richtige Verhalten. Doch es gibt einige Dinge, die es besser zu vermeiden gilt und einiges, was stattdessen sinnvoll ist:

Die passenden Worte finden und Unterstützung anbieten

Insbesondere bei der ersten Begegnung mit Trauernden kann es schwer fallen, die richtigen Worte zu finden. Wenn Sie unsicher sind und nicht wissen, wie Sie ihre Anteilnahme ausdrücken sollen, dann können Sie genau das auch sagen. Allerdings sollten Sie Floskeln wie „Die Zeit heilt alle Wunden“, „Du muss jetzt stark sein“ oder „Ich weiß genau, wie es Dir jetzt geht“ lieber vermeiden. Hilfreicher sind ehrlich gemeinte Sätze wie: „Sein Tod geht mir auch sehr nahe. Ich möchte Dir gerne helfen, weiß aber nicht wie. Sag mir, was ich für Dich tun kann“. Auch wenn Ihre Worte nicht perfekt sind, wird Ihre aufrichtige Anteilnahme ankommen.

Trauernde brauchen gerade Menschen, die aushalten können, dass sie traurig sind und ihnen auch das Gefühl geben, dass sie traurig sein dürfen. Bedauert zu werden vermittelt niemanden ein gutes Gefühl und wirkt eher „klein machend“ anstatt zu stärken. Statt zu bemitleiden, ist es daher sinnvoll, lieber Mitgefühl zu zeigen und seine Unterstützung anzubieten. Überlegen Sie, was Ihr Freund, Verwandter oder Bekannter sonst gerne tut. Trauernde sind oftmals erleichtert, wenn Sie vorschlagen, gemeinsam etwas zu unternehmen.

Manchmal sind Trauernde auch wie gelähmt und zeitweise nicht in der Lage, die simpelsten Dinge zu regeln. Sie können dann Ihre praktische Hilfe anbieten: Schlagen Sie vor, etwas zusammen anzugehen oder erklären Sie sich bereit, den Papierkram zu erledigen oder den Hund auszuführen. Manchmal sind auch schon viel elementarere Dinge hilfreich – den Einkauf besorgen, etwas Kochen oder einen gemeinsamen Spaziergang an der frischen Luft unternehmen.

Bewusstes Erinnern und Kontakt halten

Auch wenn es Außenstehende zuweilen verunsichert – Trauernde möchten häufig von ihrem geliebten Menschen erzählen. Trauer braucht ihren Platz und das eben auch in der Sprache. Daher tut es vielen Betroffenen gut, wenn andere sich offen zeigen und von ihren eigenen Erinnerungen an den Verstorbenen erzählen. Solche persönlichen Geschichten, Fotos, Videos oder auch alle anderen denkbaren Erinnerungsstücke sind für Trauernde ein wertvoller Erinnerungsschatz – und das oft das ganze Leben lang. Daher tut es gut zu wissen, wie sehr auch andere den Verstorbenen geschätzt haben und was sie mit ihm erleben durften.

Aufrichtige Anteilnahme und herzliche Fürsorge sollte nach der Beisetzung nicht enden. Halten Sie Kontakt zu Ihrem betroffenen Freund oder Bekannten. Fragen Sie vorsichtig nach, wenn Sie länger nichts von ihm gehört haben, verabreden Sie sich zu einem Treffen oder schreiben Sie eine nette E-Mail oder schöne Karte zu bestimmten Anlässen.

Trauer ist schwerste körperliche und seelische Arbeit. Den Schmerz über den Verlust eines geliebten Menschen auszuhalten ist ungemein kräftezehrend und erschöpfend. Lassen Sie sich also nicht entmutigen, wenn Ihre Einladung nicht gleich angenommen wird. Haben Sie etwas Geduld mit Ihrem Gegenüber. Zuweilen braucht es etwas Zeit, bis der Trauernde sich nach außen hin öffnet. Nehmen Sie Absagen also nicht persönlich.

Natürlich sind alle Menschen unterschiedlich in ihren Reaktionen und in ihrem Erleben von Trauer. Auch existieren die verschiedensten Mittel und Wege Trauer zu bewältigen. Jeder Trauernde muss jedoch seinen eigenen Weg gehen und vielleicht auch erst herausfinden, was ihm gut tut. Und das erfordert immer etwas Zeit und vor allem Geduld.

Wenn Sie absolut nicht sicher sind, was Sie sagen können oder ob sie das Richtige tun – dann fragen Sie den Betreffenden doch einfach mal. Er wird ihnen antworten und sagen, was er empfindet und benötigt.

Stephanie Tamm

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Pixabay

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Trauern ist eine zutiefst menschliche Reaktion auf den Verlust eines Menschen. Doch was tut gut in Zeiten der Trauer? Wie kann man seine Trauer äußern? Und was hilft dabei, die eigene Erinnerung an den Verstorbenen in das eigene Leben zu integrieren?

Auf viele der Fragen rund um den Prozess der Trauer gibt es keine universellen Antworten. Trauer kann sich auf verschiedenste Art und Weise ausdrücken. Dabei gibt es kein Richtig und kein Falsch. Was dem Einen gut tut, kann für den Anderen undenkbar sein. Jeder Mensch muss seinen eigenen Weg finden, wie er mit dem Verlust eines geliebten Menschen umgehen kann. Es gibt jedoch „Strategien“ und „Konzepte“, die Trauernden ein Rüstzeug an die Hand geben, mit der Trauer leben zu lernen und auch wieder aus ihr heraus zu finden.

Unterstützung bietet zum Beispiel das Konzept der „Trauer-Aufgaben“ des amerikanischen Psychotherapeuten J. William Worden, der den Prozess der Trauer mit dem körperlichen Heilungsprozess nach einer Krankheit (Trauer braucht Zeit) und mit dem Wachstumsprozess eines Kindes (Trauer fördert neue Fähigkeiten) vergleicht. Trauer macht es erforderlich, sich mit der Verlusterfahrung und den eigenen Gedanken zu konfrontieren und die veränderte Welt – ohne den geliebten Verstorbenen – neu zu strukturieren.

Vier „Trauer-Aufgaben“

Oftmals hilft es trauernden Menschen, wenn sie begreifen, was sie selbst aktiv dafür tun können, die Zeit der Trauer besser zu überstehen. In diesem Sinne liegt dem Trauermodell nach Worden die Ansicht zugrunde, dass der Prozess der Trauer aus vier elementaren Aufgaben besteht, die der Trauernde zu bewältigen hat:

Anfangs geht es darum, den Verlust eines geliebten Menschen überhaupt zu begreifen und als Realität zu akzeptieren. Erst wenn einem bewusst ist, dass die betreffende Person nicht nur vorübergehend „abwesend“, sondern tatsächlich tot ist, kann die Trauerarbeit beginnen.

Dann geht es darum, den Verlustschmerz zuzulassen, der sich häufig in zwiespältigen Gefühlen äußert – und das über einen unbestimmten Zeitraum. Trauer kann neben der buchstäblichen Traurigkeit nämlich ganz unterschiedliche Gefühle hervorrufen: Wut, Ärger oder Angst. Aber auch Erleichterung, Sehnsucht oder Begehren und viele mehr. Dabei benötigen all diese Gefühle Ihren Platz. Ambivalenz ist hier „normal“ – und auch, dass innerhalb der Familie, des Freundes- oder Bekanntenkreises alle unterschiedliche Gefühle zu verschiedenen Zeiten haben können. Wichtig ist, von anderen nicht zu erwarten, dass sie das Gleiche fühlen, wie man selbst.

Die dritte wichtige Aufgabe besteht darin, zu lernen, sich an eine Welt ohne den Verstorbenen zu gewöhnen – sich in einem völlig veränderten Leben zurechtzufinden. Trauernde fühlen sich manchmal bodenlos, wissen nicht, wie das Leben ohne die betreffende Person weitergehen kann. Das rührt vielfach daher, dass erst viel später klar wird, welche Rollen der Verstorbene inne hatte oder welche Aufgaben er erfüllte. Arbeiten müssen dann neu verteilt, Rituale überdacht oder gar die Wohnung ausgeräumt werden.

Was kann also dabei helfen, sich selbst auf einen neuen Lebensabschnitt einzulassen und dem Verstorbenen einen bestimmten Ort darin zuzuweisen? Darin besteht die letzte der vier „Trauer-Aufgaben“ nach Worden: Wenn akzeptiert wird, dass der Verstorbene wirklich tot ist, kann ihm ein neuer „Platz“ zugewiesen werden. Er sitzt dann nicht mehr wie sonst auf der Veranda in seinem Schaukelstuhl oder kocht die leckere Lasagne, die immer zusammen mit den Kindern verspeist wurde. Stattdessen wird die geliebte Person emotional neu „verortet“ und damit an einem neuen Ort vorstellbar – im eigenen Herzen, im Foto auf dem Kamin, auf dem Friedhof an der großen Eiche oder gar im Himmel.

Dieser Platz kann ganz individuell sein und sich auch wieder ändern. Wichtig ist nur, dass es ein Platz ist, den man (gedanklich) besuchen und auch wieder verlassen kann.

Trauer ist ambivalent – und positiv beeinflussbar

In Zeiten der Trauer sind viele Gefühlsreaktionen unvorhersehbar. Wichtig ist hierbei das Wissen um diese Ambivalenz und die Auseinandersetzung damit im Sinne einer Selbstreflexion: Wie beeinflusst der Tod des geliebten Menschen den eigenen Lebensalltag, das Selbstbewusstsein, die eigenen Werte oder Glaubensvorstellungen?

Es braucht häufig Zeit und Geduld, doch der Trauerprozess kann helfen, herauszufinden, was einen wirklich ausmacht und wo die eigenen Stärken und Schwächen liegen – abgekoppelt vom vorherigen Leben mit dem Verstorbenen.

Daraus können ganz neue Erkenntnisse erwachsen: Was beispielsweise konkret getan werden kann, um die eigene Entwicklung zu fördern. Wie man einen selbstständigen Lebensweg findet, sei es durch eine Ablösung von „alten“ Gewohnheiten mit dem Verstorbenen oder durch die Übernahme einer Aufgabe, die sonst der Verstorbene innehatte.

Auch unabhängig vom Trauermodell nach Worden spielen Aspekte immer eine wichtige Rolle, die den Trauerprozess positiv beeinflussen: ein stabiles Selbstwertgefühl, ein geregelter Tagesablauf, Rückzugsmöglichkeiten und ein gutes soziales Umfeld, in dem Gespräche mit Familie oder Freunden möglich sind. Nicht zuletzt eine persönliche Einstellung zum Leben, die Halt gibt – sei es der Glaube an Gott, an die eigene Spiritualität oder an ein bestimmtes Lebensmotto.

Im besten Fall kann die Verlusterfahrung zur persönlichen Weiterentwicklung genutzt werden, in der die Erinnerung an die verstorbene Person ihren festen Platz besitzt, ohne zu viel Raum im Lebensalltag des Trauernden einzunehmen.

Stephanie Tamm

Foto: Pixabay

Quelle: Bundesarbeitsgemeinschaft Trauerbegleitung (BAT)

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Flüchtig sind der Menschen Tage. Und dann? An einen Baum im Wald? Oder doch lieber auf die Ostsee? Fragen, die sich immer mehr Menschen stellen. Besonders Naturbestattungen erlangen immer mehr Bekanntheit und erfreuen sich immer größerer Beliebtheit.

Bis vor gut zehn Jahren war der Friedhof (bis auf wenige Ausnahmen) der einzige Ort, auf dem die Toten oder ihre Aschereste beigesetzt wurden. Auch heute noch stellen Friedhöfe die wichtigsten Begräbnisplätze dar – rund 90 % der Deutschen werden auf klassischen Friedhöfen beigesetzt. Doch seit es immer mehr „alternative“ Bestattungsformen gibt, hat der Friedhof seine unumschränkte Monopolstellung eingebüßt:

Es kamen Beisetzungsformen auf, die außerhalb der herkömmlichen Friedhofsgrenzen stattfanden. Allgemein bekannt sind die Naturbestattungen, zu denen die Waldbestattung und auch die Seebestattung zählen.

Erinnerungskultur in der Natur

Seit der Jahrtausendwende lassen sich immer mehr Beisetzungen in Waldgebieten verzeichnen. 2001 entstanden hierzulande die ersten Friedwälder, gefolgt von Ruheforsten und anderen Waldarealen oder Parks, in denen Urnen beigesetzt werden.

Mittlerweile werden insgesamt etwa 2% aller Verstorbenen in der freien Natur bestattet. Ein bekanntes Beispiel in der Kategorie der Naturbestattungen in der freien Landschaft ist die Baumbestattung in entsprechenden Wäldern. Das Leitbild der Betreiberfirmen von Waldbestattungen mit Markennamen wie FriedWald® oder RuheForst® ist die Natürlichkeit, die keine Grenzen, Mauern oder dergleichen kennt. Der Baum und sein Wurzelwerk in einem (möglichst) naturbelassen Raum ist damit Grabzeichen und Grabstätte zugleich.

Die als solche belassene Umgebung des Waldes soll weitgehend erhalten bleiben und die Bestattungsplätze nur bei genauerem Hinsehen sichtbar sein. Während in der Anfangszeit der Bestattungswälder vornehmlich Nummern als Orientierungszeichen dienten, sieht man heutzutage immer häufiger auch (individuelle) Namensschilder oder -plaketten als Zeichen von Trauer, Erinnerung und Gedächtniskultur.

Anfänglich ließ sich die Baumbestattung mit den Bestattungsgesetzen der einzelnen Bundesländer nicht vereinbaren. Diese wurden jedoch allmählich entsprechend angeglichen und gelockert, sodass mittlerweile auch kommunale und kirchliche Friedhöfe Flächen für Baumbestattungen anbieten. Ein bekanntes Beispiel hierfür stellt ein Teil des Friedhofs Ohlsdorf in Hamburg als „Ruhewald“ dar. Dort kann der Bestattungsbaum auch als Ablageort für persönliche Erinnerungen oder Symbole genutzt werden.

Jenseits des Friedhofs: Über Seebestattungen

Die Beisetzung auf hoher See war ursprünglich eine hygienisch begründete Art der „Notbestattung“ für Menschen, die an Bord eines Schiffs verstorben waren. Zeitgleich mit dem Aufkommen der anonymen Bestattung erfuhr die Seebestattung ab den 1970er Jahren immer größere Akzeptanz. Seither wird sie mit kontinuierlich ansteigenden Zahlen praktiziert, kommerziell durchgeführt und hat damit neue sepulkrale Orte geschaffen.

Das Aufkommen liegt derzeit bei ca. 1%, wobei genaue Auskünfte in der Zukunft noch zu erwarten sind. Heute ist sie eine besondere Form der Natur- als auch der anonymen Bestattung. Regulär geht ihr eine Einäscherung in einem Krematorium voraus – gefolgt von der Beisetzung einer mit Sand oder Kies beschwerten, wasserlöslichen oder gar biologisch abbaubaren Urne auf hoher See.

Die Versenkung der Urne erfolgt hierzulande vornehmlich in ausgewiesenen Gebieten der Nord- und Ostseeküste. Die Seebestattung bedingt zwar eine Entbindung vom Friedhofszwang und bedarf damit einer behördlichen Genehmigung. Doch seit den frühen 2000er Jahren sind auch diese Reglementierungen faktisch novelliert worden.

Die Vielfalt von Bestattungsarten und die Dynamik der Bestattungswünsche hat in Deutschland in den letzten beiden Dekaden deutlich zugenommen – die Naturbestattungen sind nur ein Beispiel für diese Entwicklung. Festzuhalten bleibt, dass der Friedhof durch andere Erinnerungsorte und -konzepte Konkurrenz bekommen hat. Unser Umgang mit den Toten spiegelt damit auch die gesellschaftlichen Wandlungs- und Entwicklungsprozesse des 21. Jahrhunderts wider.

Stephanie Tamm

Foto: Pixabay

Quellen:

Fischer, N. (2016): Der entfesselte Friedhof. Über die Zukunft von Bestattungs- und Erinnerungsorten. In: Benkel, T. (Hg.): Die Zukunft des Todes. Heterotopien des Todes. Bielefeld, transcript, 263-281.

https://www.feinschwarz.net/friedhof-der-zukunft/