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Lesen Sie hier Informatives, Spannendes oder einfach Neues aus unserem Unternehmen und der Bestattungskultur. Themen, die Ihnen und uns neue Perspektiven eröffnen.

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Wenn ein Mensch stirbt, muss das Fenster geöffnet werden? Kerzen werden entzündet, eine Handvoll Erde ins Grab gestreut und nach der Trauerfeier wird zusammen gegessen und getrunken? Viele dieser Bräuche sind uralt – doch damit keinesfalls verstaubt.

Es existieren viele Traditionen rund um Tod und Trauer, die häufig religiös geprägt sind, sich jedoch auch unabhängig von Konfessionen im Volksglauben etabliert haben – und bis heute praktiziert werden. Die zum Teil Jahrhunderte alten Riten und Bräuche können den Umgang mit dem Tod erleichtern und den Hinterbliebenen helfen, Abschied von einem geliebten Menschen zu nehmen. Lesen Sie im Folgenden einige gängige Beispiele:

Das Fenster öffnen

Nachdem ein Mensch gestorben ist, wird das Fenster des Sterbezimmers geöffnet oder gekippt. Dieser Brauch entstand aus der Vorstellung, dass die menschliche Seele durch den Mund des Verstorbenen in den Himmel entweicht. Zwar ist der Glaube daran, dass die Seele tatsächlich in den Himmel fährt, nicht mehr so weit verbreitet wie in früheren Zeiten, doch viele Menschen sind bis heute davon überzeugt, dass die Seele den menschlichen Körper verlassen muss und durch das offene Fenster an einen anderen Ort gelangen kann. Das Öffnen des Fensters hat jedoch auch einen ganz praktischen Grund: Es tut ganz einfach gut, frische Luft in das Zimmer zu lassen, in dem kurze Zeit zuvor ein Mensch gestorben ist.

Mund und Augen des Verstorbenen schließen

Einem Toten den Mund und die Augen zu schließen, ist schon seit jeher eine gängige Praxis und häufig auch mit dem Aberglauben verbunden, der Tote würde sonst als eine Art „Wiedergänger“ zurückkehren und mit den Lebenden in Kontakt treten. Gegenwärtig ist es grundsätzlich ein Zeichen des Respekts und der Ästhetik, dem Verstorbenen ein würdevolles Aussehen zu geben und Körperöffnungen wie Augen und Mund zu verschließen.

Lichter entzünden

Bei Eintritt des Todes wurde häufig eine sogenannte Sterbekerze entzündet. Das Kerzenlicht sollte dem Verstorbenen den Weg in die Ewigkeit erhellen und ihm auch zu innerer Erleuchtung verhelfen. Mancherorts wurde ebenso daran geglaubt, man könne damit Geister vertreiben und in Verbindung mit Kräutern oder Früchten wie Rosmarin oder Zitrone auch Dämonen abwehren. Bis heute ist das Licht einer Kerze weltweit ein Zeichen des Gedenkens und der Andacht – vielfach auch verbunden mit dem Symbol des Lebenslichtes.

Läuten der Totenglocken

Das Läuten der Toten- oder Sterbeglocken am Morgen oder Abend des Sterbetages zeigte den Tod eines Gemeindemitglieds an. Dazu wurden meist die größten vorhandenen Glocken verwendet und der Tod „ausgeläutet“. Die Kirchen- oder Gemeindeglocken klingen noch heute nach einem Gottesdienst oder einer Andachtsfeier, haben aber zunehmend weniger Bedeutung für die Gemeinschaft.

Die Aufbahrung eines Toten

Früher war es gang und gäbe, den Verstorbenen von nahen Angehörigen waschen, herrichten und im Sterbezimmer oder Gemeindehaus aufbahren zu lassen. Dadurch konnte die gesamte Familie, Freunde und Bekannte Abschied nehmen. Nicht zuletzt aus hygienischen Gründen übernimmt mittlerweile ein Bestattungsunternehmen die Versorgung und etwaige Aufbahrung eines Toten. Ist der Tod im Krankenhaus oder Pflegeheim eingetreten, ermöglicht das Fachpersonal mancherorts auch dort eine Aufbahrung zur Abschiednahme, bevor der Leichnam einem Bestatter übergeben wird.

Aussegnung – mehr als nur Glaube

Die Aussegnung bezeichnet im Ursprung eine religiöse Andacht, bei der ein Sterbender oder ein bereits Verstorbener noch ein letztes Mal gesegnet wird. Die Aussegnungsfeier gibt den Angehörigen die Möglichkeit, sich zu verabschieden, begleitet den Toten sozusagen auf seinem letzten Weg und befiehlt ihn in Gottes Hände. Solch ein Abschiedssegen ist heute keineswegs nur noch religiöser Natur. Es haben sich derweil viele weltliche Praktiken entwickelt, die Verstorbenen eine Art Segen aussprechen und ihnen damit etwas mit auf die letzte Reise geben.

Rituale am Grab

Nachdem der Sarg in das Grab hinabgelassen wurde, geht die gesamte Trauergemeinde am offenen Grab vorbei und erweist dem Toten die letzte Ehre: Je nach Region war es üblich, dass jeder Trauergast eine oder mehrere Handvoll Erde auf den Sarg warf. Dies sollte das gemeinsame Zuschaufeln des Grabes und auch die Vergänglichkeit des Körpers symbolisieren. Heutzutage wird das Geräusch, wenn die Erde auf den Sarg fällt, vielfach als unangenehm und bedrückend empfunden. Daher wird anstelle der Erde eine Schale mit Blumen, Blütenblättern oder auch mit feinem Sand bereitgestellt, die alternativ ins Grab geworfen werden können.

Leichenschmaus

Der sogenannte Leichenschmaus oder auch das Trauerkaffee ist einer der wohl bekanntesten Bräuche in Verbindung mit dem Tod. Zu früheren Zeiten diente er auch ganz praktisch dazu, diejenigen zu versorgen, die eine lange Anreise hinter sich und als Totengräber oder Sargträger schwere körperliche Arbeit verrichtet hatten. Beim gemeinsamen Essen und Trinken geht es bis heute darum, in Gedenken an den Verstorbenen zusammen zu sein. Das Totenmahl soll den Trauernden nicht nur zeigen, dass sie nicht allein sind und das Leben weitergeht – es bietet auch einen schönen Rahmen, um sich gemeinsam an den Verstorbenen zu erinnern und Geschichten und Anekdoten über ihn auszutauschen.

Stephanie Tamm

Foto: Pixabay

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Sicher, Sie haben schon einmal von Grab- oder Sargbeigaben gehört – aus vor- und frühgeschichtlichen Zeiten. Doch wissen Sie auch, dass Beigaben gerade heute ein wichtiger Aspekt einer bewussten Abschiednahme von einem geliebten Menschen sein können?

Seit Beginn der Menschheit wurden Gegenstände, gelegentlich auch Tiere, als Beigaben mit in die Särge oder Gräber der Toten gelegt. Dieses religiös und kulturell geprägte Brauchtum ist uns insbesondere aus der Steinzeit, dem alten Ägypten oder auch dem Mittelalter bekannt. Art und Umfang der Grabbeigaben waren von der jeweiligen Vorstellung bestimmt, was nach dem Tod mit dem Menschen geschehen würde. So gab es je nach Land und Region gewisse Ansichten über das Weiterleben des Menschen nach dem Tode, über die Auferstehung oder den Übergang des Toten in eine andere Welt, in die der Verstorbene möglichst gut ausgerüstet „hinübergehen“ sollte.

Grabbeigaben konnten beispielsweise Gürtelschnallen, Tücher oder Gewandnadeln sein, Schmuck wie Ringe, Halsketten oder Armbänder, aber genauso Gebrauchsgegenstände wie Keramik- oder Tongefäße. Auch Geldmittel wie Münzen, ebenfalls Waffen, Felle, Lebensmittel und sogar tote Tiere wurden mit ins Grab gelegt. Dazu war es üblich, dem Toten Teile seines persönlichen Eigentums mitzugeben, damit er sein Hab und Gut auch im Jenseits bei sich hatte.

Heute, hier und jetzt – Grabbeigaben?

In unserer westlichen Welt haben Grabbeigaben heute weniger solch religiöse und kulturelle Hintergründe. Zwar sind bei katholisch geprägten Bestattungen Beigaben in Form von Kreuzen, Rosenkränzen, Bibeln oder auch Gebetsbüchern durchaus noch üblich. Gegenwärtig geht es jedoch vielmehr um die aktive Handlung an sich, die den symbolischen Charakter einer Grabbeigabe noch zusätzlich unterstreicht – als letzter Liebesdienst gegenüber dem Verstorbenen. Und als Teil einer bewussten Abschiednahme, die maßgeblich dazu beitragen kann, den Prozess der Trauerbewältigung positiv zu beeinflussen.

Viele Menschen wissen heutzutage gar nicht mehr, dass sie eine Beigabe mit in den Sarg oder in die Urne des Verstorbenen legen können. Schnell stellt sich auch die Frage: Ist das überhaupt erlaubt? Immer mehr lautet die Antwort eindeutig: Ja, absolut! Viele Bestatter sprechen Angehörige bewusst darauf an, ob sie dem Verstorbenen etwas mit auf die letzte Reise geben möchten. Zahlreiche Trauerbegleiter, Seelsorger und Geistliche wissen zudem, wie wichtig bewusste Handlungen und Entscheidungen für den Trauerprozess sind.

Was kann man Verstorbenen mit auf die letzte Reise geben?

Liebevoll ausgewählte Grabbeigaben können den Wunsch erfüllen, dem Verstorbenen noch einen letzten Dienst zu erweisen oder eine ganz persönliche Botschaft zu vermitteln. Sie legen ein letztes Zeugnis davon ab, wie sehr man einen Menschen schätzt, ihn vermisst und wie intensiv man ihn in Erinnerung behalten wird. Grabbeigaben dienen damit nicht mehr vorrangig der „Versorgung“ des Verstorbenen im Jenseits, sondern sollen den Hinterbliebenen Trost spenden und eine Geste der Wertschätzung sein.

Beispielsweise noch ein Päckchen Zigaretten samt Streichhölzern für den verstorbenen Opa, eine Schachtel der Lieblings-Schoko-Pralinen, ein persönlicher Abschiedsbrief, die aktuellste Ausgabe der immer gelesenen Zeitschrift, die bequeme Jogginghose, das heiß geliebte Kuscheltier, das Rätselheft mit Stift, das gern herausgeholte Fernglas oder auch die in die Jahre gekommene, täglich benutzte Lesebrille. Gibt es auch noch das aufwendig beim Fotografen arrangierte Familienfoto, einige selbstgemalte Bilder der Enkelkinder, die persönliche Kuscheldecke von der Couch oder gar den Hochzeitsschmuck oder den Ehering? All das können Sie als persönliche Sargbeigabe erwägen. Grabgaben können also so bunt wie das Leben sein und so unterschiedlich wie die Menschen selbst.

Doch es gibt auch begründete Grenzen

Was bei einer Erdbestattung mit in den Sarg darf, geben in der Regel die verschiedenen Friedhofsverordnungen vor. Diese können je nach Region und Bundesland unterschiedliche Bestimmungen enthalten. Vielfach befolgen die Satzungen jedoch einfache Vorschriften: Die Sargbeigaben dürfen häufig nur Gegenstände sein, die sich (mehr oder weniger) zersetzen können und das Grundwasser nicht verschmutzen. Über Ausnahmen entscheiden ebenfalls die jeweiligen regionalen Institutionen oder Gemeinden. Dabei muss grundsätzlich auch an die Vernunft appelliert werden – nicht zuletzt der Umwelt zuliebe: Ein Motorradhelm passt aus Platzgründen nicht in einen Sarg, während sich Plastikgegenstände nur sehr schwer oder gar nicht zersetzen.

Handelt es ich um eine Urnenbestattung, sollten die Beigaben zu Asche oder eingeschmolzen werden können. Wenn Sie dem Verstorbenen etwas mit in den Sarg geben möchten, sollten Sie also darauf achten, dass es verbrennbar ist und dass insbesondere keine Explosionsgefahr besteht. Glas oder Dinge, die Gase enthalten, dürfen also nicht mit in das Kremationsfeuer. Erkundigen Sie sich sicherheitshalber im Vorfeld bei dem Bestatter Ihres Vertrauens, welche Materialien als Beigabe gegebenenfalls verboten sind.

Stephanie Tamm

Foto: Pixabay

Flüchtig sind der Menschen Tage. Und dann? An einen Baum im Wald? Oder doch lieber auf die Ostsee? Fragen, die sich immer mehr Menschen stellen. Besonders Naturbestattungen erlangen immer mehr Bekanntheit und erfreuen sich immer größerer Beliebtheit.

Bis vor gut zehn Jahren war der Friedhof (bis auf wenige Ausnahmen) der einzige Ort, auf dem die Toten oder ihre Aschereste beigesetzt wurden. Auch heute noch stellen Friedhöfe die wichtigsten Begräbnisplätze dar – rund 90 % der Deutschen werden auf klassischen Friedhöfen beigesetzt. Doch seit es immer mehr „alternative“ Bestattungsformen gibt, hat der Friedhof seine unumschränkte Monopolstellung eingebüßt:

Es kamen Beisetzungsformen auf, die außerhalb der herkömmlichen Friedhofsgrenzen stattfanden. Allgemein bekannt sind die Naturbestattungen, zu denen die Waldbestattung und auch die Seebestattung zählen.

Erinnerungskultur in der Natur

Seit der Jahrtausendwende lassen sich immer mehr Beisetzungen in Waldgebieten verzeichnen. 2001 entstanden hierzulande die ersten Friedwälder, gefolgt von Ruheforsten und anderen Waldarealen oder Parks, in denen Urnen beigesetzt werden.

Mittlerweile werden insgesamt etwa 2% aller Verstorbenen in der freien Natur bestattet. Ein bekanntes Beispiel in der Kategorie der Naturbestattungen in der freien Landschaft ist die Baumbestattung in entsprechenden Wäldern. Das Leitbild der Betreiberfirmen von Waldbestattungen mit Markennamen wie FriedWald® oder RuheForst® ist die Natürlichkeit, die keine Grenzen, Mauern oder dergleichen kennt. Der Baum und sein Wurzelwerk in einem (möglichst) naturbelassen Raum ist damit Grabzeichen und Grabstätte zugleich.

Die als solche belassene Umgebung des Waldes soll weitgehend erhalten bleiben und die Bestattungsplätze nur bei genauerem Hinsehen sichtbar sein. Während in der Anfangszeit der Bestattungswälder vornehmlich Nummern als Orientierungszeichen dienten, sieht man heutzutage immer häufiger auch (individuelle) Namensschilder oder -plaketten als Zeichen von Trauer, Erinnerung und Gedächtniskultur.

Anfänglich ließ sich die Baumbestattung mit den Bestattungsgesetzen der einzelnen Bundesländer nicht vereinbaren. Diese wurden jedoch allmählich entsprechend angeglichen und gelockert, sodass mittlerweile auch kommunale und kirchliche Friedhöfe Flächen für Baumbestattungen anbieten. Ein bekanntes Beispiel hierfür stellt ein Teil des Friedhofs Ohlsdorf in Hamburg als „Ruhewald“ dar. Dort kann der Bestattungsbaum auch als Ablageort für persönliche Erinnerungen oder Symbole genutzt werden.

Jenseits des Friedhofs: Über Seebestattungen

Die Beisetzung auf hoher See war ursprünglich eine hygienisch begründete Art der „Notbestattung“ für Menschen, die an Bord eines Schiffs verstorben waren. Zeitgleich mit dem Aufkommen der anonymen Bestattung erfuhr die Seebestattung ab den 1970er Jahren immer größere Akzeptanz. Seither wird sie mit kontinuierlich ansteigenden Zahlen praktiziert, kommerziell durchgeführt und hat damit neue sepulkrale Orte geschaffen.

Das Aufkommen liegt derzeit bei ca. 1%, wobei genaue Auskünfte in der Zukunft noch zu erwarten sind. Heute ist sie eine besondere Form der Natur- als auch der anonymen Bestattung. Regulär geht ihr eine Einäscherung in einem Krematorium voraus – gefolgt von der Beisetzung einer mit Sand oder Kies beschwerten, wasserlöslichen oder gar biologisch abbaubaren Urne auf hoher See.

Die Versenkung der Urne erfolgt hierzulande vornehmlich in ausgewiesenen Gebieten der Nord- und Ostseeküste. Die Seebestattung bedingt zwar eine Entbindung vom Friedhofszwang und bedarf damit einer behördlichen Genehmigung. Doch seit den frühen 2000er Jahren sind auch diese Reglementierungen faktisch novelliert worden.

Die Vielfalt von Bestattungsarten und die Dynamik der Bestattungswünsche hat in Deutschland in den letzten beiden Dekaden deutlich zugenommen – die Naturbestattungen sind nur ein Beispiel für diese Entwicklung. Festzuhalten bleibt, dass der Friedhof durch andere Erinnerungsorte und -konzepte Konkurrenz bekommen hat. Unser Umgang mit den Toten spiegelt damit auch die gesellschaftlichen Wandlungs- und Entwicklungsprozesse des 21. Jahrhunderts wider.

Stephanie Tamm

Foto: Pixabay

Quellen:

Fischer, N. (2016): Der entfesselte Friedhof. Über die Zukunft von Bestattungs- und Erinnerungsorten. In: Benkel, T. (Hg.): Die Zukunft des Todes. Heterotopien des Todes. Bielefeld, transcript, 263-281.

https://www.feinschwarz.net/friedhof-der-zukunft/

Flüchtig sind der Menschen Tage. Und dann? An einen Baum im Wald? Oder doch lieber auf die Ostsee? Fragen, die sich immer mehr Menschen stellen. Besonders Naturbestattungen erlangen immer mehr Bekanntheit und erfreuen sich immer größerer Beliebtheit.

Bis vor gut zehn Jahren war der Friedhof (bis auf wenige Ausnahmen) der einzige Ort, auf dem die Toten oder ihre Aschereste beigesetzt wurden. Auch heute noch stellen Friedhöfe die wichtigsten Begräbnisplätze dar – rund 90 % der Deutschen werden auf klassischen Friedhöfen beigesetzt. Doch seit es immer mehr „alternative“ Bestattungsformen gibt, hat der Friedhof seine unumschränkte Monopolstellung eingebüßt:

Es kamen Beisetzungsformen auf, die außerhalb der herkömmlichen Friedhofsgrenzen stattfanden. Allgemein bekannt sind die Naturbestattungen, zu denen die Waldbestattung und auch die Seebestattung zählen.

Erinnerungskultur in der Natur

Seit der Jahrtausendwende lassen sich immer mehr Beisetzungen in Waldgebieten verzeichnen. 2001 entstanden hierzulande die ersten Friedwälder, gefolgt von Ruheforsten und anderen Waldarealen oder Parks, in denen Urnen beigesetzt werden.

Mittlerweile werden insgesamt etwa 2% aller Verstorbenen in der freien Natur bestattet. Ein bekanntes Beispiel in der Kategorie der Naturbestattungen in der freien Landschaft ist die Baumbestattung in entsprechenden Wäldern. Das Leitbild der Betreiberfirmen von Waldbestattungen mit Markennamen wie FriedWald® oder RuheForst® ist die Natürlichkeit, die keine Grenzen, Mauern oder dergleichen kennt. Der Baum und sein Wurzelwerk in einem (möglichst) naturbelassen Raum ist damit Grabzeichen und Grabstätte zugleich.

Die als solche belassene Umgebung des Waldes soll weitgehend erhalten bleiben und die Bestattungsplätze nur bei genauerem Hinsehen sichtbar sein. Während in der Anfangszeit der Bestattungswälder vornehmlich Nummern als Orientierungszeichen dienten, sieht man heutzutage immer häufiger auch (individuelle) Namensschilder oder -plaketten als Zeichen von Trauer, Erinnerung und Gedächtniskultur.

Anfänglich ließ sich die Baumbestattung mit den Bestattungsgesetzen der einzelnen Bundesländer nicht vereinbaren. Diese wurden jedoch allmählich entsprechend angeglichen und gelockert, sodass mittlerweile auch kommunale und kirchliche Friedhöfe Flächen für Baumbestattungen anbieten. Ein bekanntes Beispiel hierfür stellt ein Teil des Friedhofs Ohlsdorf in Hamburg als „Ruhewald“ dar. Dort kann der Bestattungsbaum auch als Ablageort für persönliche Erinnerungen oder Symbole genutzt werden.

Jenseits des Friedhofs: Über Seebestattungen

Die Beisetzung auf hoher See war ursprünglich eine hygienisch begründete Art der „Notbestattung“ für Menschen, die an Bord eines Schiffs verstorben waren. Zeitgleich mit dem Aufkommen der anonymen Bestattung erfuhr die Seebestattung ab den 1970er Jahren immer größere Akzeptanz. Seither wird sie mit kontinuierlich ansteigenden Zahlen praktiziert, kommerziell durchgeführt und hat damit neue sepulkrale Orte geschaffen.

Das Aufkommen liegt derzeit bei ca. 1%, wobei genaue Auskünfte in der Zukunft noch zu erwarten sind. Heute ist sie eine besondere Form der Natur- als auch der anonymen Bestattung. Regulär geht ihr eine Einäscherung in einem Krematorium voraus – gefolgt von der Beisetzung einer mit Sand oder Kies beschwerten, wasserlöslichen oder gar biologisch abbaubaren Urne auf hoher See.

Die Versenkung der Urne erfolgt hierzulande vornehmlich in ausgewiesenen Gebieten der Nord- und Ostseeküste. Die Seebestattung bedingt zwar eine Entbindung vom Friedhofszwang und bedarf damit einer behördlichen Genehmigung. Doch seit den frühen 2000er Jahren sind auch diese Reglementierungen faktisch novelliert worden.

Die Vielfalt von Bestattungsarten und die Dynamik der Bestattungswünsche hat in Deutschland in den letzten beiden Dekaden deutlich zugenommen – die Naturbestattungen sind nur ein Beispiel für diese Entwicklung. Festzuhalten bleibt, dass der Friedhof durch andere Erinnerungsorte und -konzepte Konkurrenz bekommen hat. Unser Umgang mit den Toten spiegelt damit auch die gesellschaftlichen Wandlungs- und Entwicklungsprozesse des 21. Jahrhunderts wider.

Stephanie Tamm

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Quellen:

Fischer, N. (2016): Der entfesselte Friedhof. Über die Zukunft von Bestattungs- und Erinnerungsorten. In: Benkel, T. (Hg.): Die Zukunft des Todes. Heterotopien des Todes. Bielefeld, transcript, 263-281.

https://www.feinschwarz.net/friedhof-der-zukunft/

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Bewusster Abschied – kann für jeden Menschen anders aussehen. Doch was bedeutet es eigentlich, sich bewusst von einem Verstorbenen zu verabschieden? Und warum löst der direkte Kontakt mit dem Tot bei vielen Menschen immer noch tiefstes Unbehagen aus?

Kaum etwas bewegt uns so sehr wie die Begegnung mit dem Tod. Doch kaum etwas geschieht auch so verborgen wie das Sterben. Seit der Tod zunehmend in Krankenhäusern, Alten- und Pflegeheimen eintritt, ist der direkte Kontakt zu einem Verstorbenen immer weiter aus unserem Lebensalltag verschwunden.

Oft sind es das Pflegepersonal, Ärzte, Seelsorger oder die Bestatter, die Berührungspunkte zu einem Leichnam haben und wissen, wie man einem Toten die Augen schließt, ihn richtig bettet oder wie sich ein kalter Körper anfühlt, aus dem das Leben gewichen ist. Damit besitzen sie Erfahrungen und ein Wissen, das in der breiten Bevölkerung weitgehend verloren gegangen ist.

Für viele Menschen ist die Begegnung mit einem Verstorbenen immer noch eine Ausnahmesituation, ganz zu schweigen von der Berührung eines toten Körpers. Das mag in vielerlei Hinsicht damit zu tun haben, dass die Konfrontation mit dem Tod – im Besonderen die Vorstellung vom Anblick eines Verstorbenen – mit großen Ängsten verbunden ist. Die Angst davor, sich in einer ungewohnten Situation ausgeliefert zu fühlen oder hartnäckige Gerüchte über „Leichengift“ lassen viele Menschen davor zurückschrecken, einem verstorbenen Angehörigen zu begegnen, ihn zu berühren, ihn zu versorgen oder offen aufzubahren zu lassen.

Bis in die 1950er Jahre war es ganz normal, dass ein Verstorbener durch seine Angehörigen versorgt und zu Hause oder im Trauerhaus der Gemeinde aufgebahrt wurde. Diese ehemals gängige Praxis ist einerseits fast in Vergessenheit geraten. Andererseits trägt die gegenwärtige Hospizbewegung, das Engagement vieler Bestattungsdienste und das zunehmende Interesse Angehöriger dazu bei, diese aktive Form der Trauerarbeit wieder in die gesellschaftliche Mitte zu rücken.

Sehen und begreifen was geschehen ist

Sich von einem geliebten Menschen verabschieden schmerzt – ganz gleich unter welchen Umständen oder zu welchem Zeitpunkt er gestorben ist. Für die Trauerbewältigung ist es elementar, den Schmerz zuzulassen und zu verstehen, dass der Tod wirklich eingetreten ist, das heißt den Tod überhaupt begreifen zu können. Dies ist insbesondere dann der Fall, wenn es sich um einen plötzlichen und unerwarteten Todesfall handelt.

Mit allen Sinnen begreifen zu können, dass jemand nicht mehr lebt, bedeutet, dies nicht nur zu hören, sondern auch mit eigenen Augen zu sehen und im wahrsten Sinne des Wortes zu „be-greifen“, also anzufassen. Wir nehmen Abschied von einem Menschen – die Betonung liegt dabei auf „nehmen“ als einer aktiven, bewussten Tätigkeit.

Die Tradition der Versorgung des Verstorbenen durch Angehörige und im Besonderen die offene Aufbahrung bieten für das BEGREIFEN und ABSCHIED NEHMEN einen würdevollen Rahmen und stellen keineswegs zwangsläufig eine Belastung dar. Vielmehr können diese besonderen Stunden, in denen ein geliebter Mensch verstorben ist, der Körper aber noch unter den Lebenden weilt, äußerst heilsam und eine ganz besondere, individuelle Form des Abschieds sein.

Viele Bestattungsdienste bieten Angehörigen mittlerweile die Möglichkeit, bei der Versorgung des Verstorbenen dabei zu sein oder machen Mut, den Leichnam selbst zu waschen, zu betten, einzucremen oder ihn anzukleiden. Bei einer offenen Aufbahrung hingegen hat jeder die Möglichkeit, sich auf seine eigene Art und Weise zu verabschieden. Dabei sollte grundsätzlich das getan werden, was im Moment der Trauer guttut:

Man kann sich zu dem Verstorbenen setzen und seine Hand halten oder streicheln. Man kann ihn noch einmal berühren, ihm die Stirn küssen oder ihm noch ein paar persönliche Worte mit auf die Letzte Reise geben. Man kann eine Kerze anzünden, beten, singen, weinen, aber auch schimpfen oder einfach nur mit seinen Lieben zusammensitzen.

Dabei ist es auch hilfreich, mehrmals zu dem Verstorbenen gehen zu können und die natürlichen körperlichen Veränderungen mitzuerleben: Sehen, wie sich die Hautfarbe verändert hat. Spüren, dass der Körper kalt ist. Erkennen, dass der verstorbene Mensch nicht mehr atmet und antwortet.

Häufig besteht immer noch große Unsicherheit, ob die Beteiligung an der Versorgung des Verstorbenen oder eine offene Aufbahrung überhaupt zulässig ist. Zwar bestimmen in Deutschland vielerorts die Bestattungsgesetze den Umgang mit dem Tod und den Toten. Doch vielfach werden die gegebenen Freiheiten gar nicht vollumfänglich genutzt: Angehörige dürfen den Verstorbenen beispielsweise auch vom Krankenhaus oder Pflegeheim zu sich nach Hause bringen lassen, um ihn dort noch bei sich zu haben und umsorgen zu können. Zudem darf ein Leichnam bis zu 36 Stunden zu Hause oder in den entsprechenden Räumlichkeiten des Bestatters aufgebahrt werden.

Oftmals beginnt der eigentliche Prozess der Trauerbewältigung erst einige Zeit nach den Trauerfeierlichkeiten oder der Beisetzung. Der bewusste Abschied von einem geliebten Menschen, eingebettet in einen feierlichen wie auch persönlich festgelegten Rahmen, kann jedoch maßgeblich dazu beitragen, den ganz eigenen „guten“ Weg durch die Zeit der Trauer zu finden.

Stephanie Tamm

Foto: Pixabay

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Wie ist das eigentlich mit der Bestattungsvorsorge? Kann ich ganz genau festlegen und alles rund um meinen eigenen Abschied selbst bestimmen? Das können Sie! Ihre Möglichkeiten sind so kunterbunt wie das Leben – und doch wissen noch zu wenige davon …

Was geht Ihnen durch den Kopf, wenn Sie Bestattungsvorsorge hören? Oder Trauerfallvorsorge? Vielleicht denken Sie: „Welch lange und schwierige Wörter!“ Sie stehen mitten im Leben – finden Sie es daher befremdlich, sich mit Tod und Bestattung zu befassen? Oder haben Sie schon das eine oder andere Mal daran gedacht, wie Ihre Bestattung wohl ablaufen wird, die Gedanken dazu aber immer wieder verworfen?

All das ist völlig verständlich. Doch auch Grund genug, Ihnen eines mit auf den Weg zu geben: Bestattungsvorsorge kann so simpel sein und insbesondere Ihnen selbst das richtig gute Gefühl geben, alles in Ihrem Sinne geregelt zu haben.

Was passt zu mir? Seien Sie kreativ und entwickeln Sie ein paar frische Ideen

Bestattungsvorsorge ist so viel mehr als die bloße Entscheidung darüber, ob Sie in einem Sarg auf dem lokalen Friedhof oder in einer Urne in dem bekannten Bestattungswald beigesetzt werden wollen. Es geht natürlich auch um Erd- oder Feuerbestattung. Vor allem können Sie selbst zum Gestalter Ihres eigenen Abschieds werden und sogar die Stimmung für Ihre Trauerfeier mitbestimmen.

Lassen Sie uns ruhig mal ein paar spannende Fragen aufwerfen: Wie soll die Trauerfeier ablaufen? Sie wollen auf gar keinen Fall, dass Verwandte und Freunde alle in schwarzer Kleidung mit traurigen Gesichtern den Worten eines Pfarrers folgen? Und Sie wollen absolut vermeiden, dass der eine oder andere sich extra noch eine neue schwarze Jacke kauft, nur damit er der Trauer-Etikette entspricht?

Gut! Dann legen Sie doch fest, dass die Trauergäste in den Trikotfarben Ihres Fußballvereins kommen sollen. Dass ein weltlicher Trauerredner nicht einfach Ihren Lebenslauf nacherzählt, sondern über Ihr gelebtes Lebensmotto spricht und über Ihr Talent, die Gulaschkanone und den Weihnachtspunsch für die ganze Dorfgemeinde vorzüglich zuzubereiten. Bestimmen Sie, dass Ihr Abschied nicht traurig sein soll, sondern stattdessen eine schöne Erinnerung daran, das Leben in vollen Zügen zu genießen, Spaß zu haben und viel Zeit mit Menschen zu verbringen, die einem guttun und die man liebt.

Genau so, wie es Ihnen gefällt!

Finden Sie Traueranzeigen deprimierend, in denen die ewig gleichen Trauersprüche oder Bibelverse zu lesen sind? Möchten Sie den Menschen, die auf Ihren Grabstein oder Ihre Urnenplatte schauen, etwas Bedeutendes mit auf den Weg geben? Dann schreiben Sie Ihre Traueranzeige und Ihre Grabinschrift selbst. Finden Sie eigene Worte, mit denen Sie sich identifizieren und die Ihrer Nachwelt etwas mit auf den Weg geben.

Möchten Sie unbedingt die geliebten gelben Lilien als Blumenschmuck, die Sie in Ihrem Garten jedes Jahr genüsslich blühen sehen? Dann wünschen Sie sich doch genau das und bestimmen Sie, dass Ihre Lieblingsblumen Ihren Abschied verschönern. Oder finden Sie, dass das goldene Medaillon, das Ihre Urgroßmutter Ihnen vererbt hat, unbedingt mit auf Ihre letzte Reise gehen soll? Oder doch eher Ihr lederner Kniffelbecher, als Symbol für die vielen Spieleabende, die Sie lachend und freudig mit der Familie verbrachten? Auch das können Sie in Ihrer Bestattungsvorsorge festlegen.

Weniger ist mehr?

Diese Ideen sind Ihnen alle viel zu bunt und ausgefallen? Sie möchten eigentlich nur im Doppelgrab beigesetzt werden, in dem bereits Ihre verstorbene Frau bestattet wurde? Und Sie wollen das Geld für Ihre Bestattung bereits hinterlegen, damit Ihre beiden Kinder nicht finanziell belastet werden? Schöne Idee! Halten Sie in Ihrem Bestattungsvorsorge-Vertrag Ihre Vorstellungen und Wünsche fest und hinterlegen Sie das Geld für Ihre Beisetzung beispielsweise auf einem Treuhandkonto.

Sprechen Sie mit dem Bestatter Ihres Vertrauens und seien Sie mutig, Ihre Wünsche wirklich zu äußern. Selbst wenn Sie nicht wissen, wie Sie Ihre Vorstellungen zum Ausdruck bringen sollen, geschweige denn zu Papier – gerade dann wird Ihr Bestatter Sie ausführlich zu Ihren Möglichkeiten beraten. Und er kennt die Mittel und Wege, Ihre Anliegen zu Ihrer vollsten Zufriedenheit umzusetzen.

Wie Sie den richtigen Bestatter finden?

Jetzt fragen Sie sich natürlich, wie Sie denn den Bestatter Ihres Vertrauens finden? Auch das ist kein Hexenwerk. Einen „guten“ Bestatter erkennen Sie beispielsweise an seiner Qualifikation oder an einer aussagekräftigen Website, die klar macht, wofür das Unternehmen steht und welche genauen Leistungen angeboten werden. Ein seriöser Bestatter arbeitet aber allen voran immer transparent und ist Ihnen gegenüber aufgeschlossen. Er hört Ihnen zu, berät Sie ausführlich zu Ihren Möglichkeiten und erstellt Ihnen entsprechend einen aussagekräftigen Kostenvoranschlag. Zudem sollte Ihnen immer freistehen, Angebote zu vergleichen oder sich noch einmal umzuentscheiden.

Am Ende geht es bei der Bestattungsvorsorge immer um Ihr eigenes Gefühl. Tun Sie das, was zu Ihnen passt, was Ihnen und Ihren Lieben guttut. Und lassen Sie sich nicht verunsichern durch vermeintliche Konventionen oder dem Gedanken, dass „man“ etwas so machen müsse.

Stephanie Tamm

Drei von vier Deutschen möchten zu Hause im Kreis ihrer Familie sterben. Doch nur wenigen wird dieser Wunsch erfüllt. Dabei ist die Pflege todkranker Menschen in ihrer gewohnten Umgebung mit etwas Mut und der richtigen Unterstützung durchaus möglich.

Laut Angaben des deutschen Ärzteblattes vom 6. Juni diesen Jahres gehen bei der Frage nach dem bevorzugten Sterbeort der Deutschen Wunsch und Wirklichkeit stark auseinander: Demnach möchten 76 Prozent der Bevölkerung am liebsten zu Hause sterben, tatsächlich ist dies aber nur bei 20 Prozent der Fall. Im Gegenzug wollen nur sechs Prozent im Krankenhaus sterben, während die reale Quote bei 46 Prozent liegt. Natürlich geben diese Zahlen nur Durchschnittswerte an. Die regionalen Unterschiede sind recht hoch und hängen mit der jeweiligen Palliativversorgung zusammen. Je besser die ambulante Palliativversorgung ist, desto weniger Menschen bleiben bis zu ihrem Tod im Krankenhaus.

Dass so viele Menschen in Krankenhäusern und Pflegeheimen sterben, liegt natürlich daran, dass die meisten vor ihrem Tod sehr krank oder stark pflegebedürftig sind. Das erst kürzlich geänderte Hospiz- und Palliativgesetz hat die Versorgung von Patienten am Lebensende verbessert und zielt vor allem darauf ab, mehr Menschen das Sterben in einem Hospiz oder eben mit entsprechender fachlicher Unterstützung auch zu Hause zu ermöglichen. Wer sich nach reiflicher Überlegung dafür entscheidet, einen sterbenden Angehörigen bis zum Tod in der häuslichen Umgebung zu versorgen, braucht vor allem ein erfahrenes Palliativteam an seiner Seite und wichtige Informationen. Eine sehr empfehlenswerte Lektüre in dieser Situation ist das Buch „Zuhause sterben“ von Renate Werner.

Ein hilfreicher Ratgeber: „Zuhause sterben“

Die Filmemacherin und Journalistin hat eineinhalb Jahre intensiv recherchiert, bevor sie dieses Buch geschrieben hat: Sie begleitete Palliativärzte und-pfleger, Seelsorger und Hospizmitarbeiter und hielt intensiv Kontakt zu betroffenen Patienten und ihren Angehörigen. Neben Zahlen und Fakten zum Thema hat Renate Werner umfangreiche Informationen zusammengetragen, die viele Fragen bei der Palliativversorgung zu Hause beantworten: Was muss alles im Vorfeld organisiert und beantragt werden, was sind die Grundvoraussetzungen, welche Hilfsangebote gibt es, wer sind die richtigen Ansprechpartner, was ist bei der Ernährung und bei der Schmerztherapie zu beachten, was kann für Entspannung sorgen?

Das Buch geht außerdem auf die Besonderheiten bei der Betreuung sterbenskranker Kinder und Jugendlicher ein und widmet sich auch den Themen Vorbereitung auf das Sterben und Sterbehilfe. Praktisch sind vor allem die vielen Links, Adressen, Checklisten und Musterbriefe sowie Hinweise zu weiterführender Literatur. Insgesamt ist das Buch ein sehr nützlicher kompakter Ratgeber, der bewusst keine Nuance des Sterbens auslässt, bei der realistischen Einschätzung der eigenen Möglichkeiten hilft und Mut macht, diese anspruchsvolle Aufgabe zu übernehmen.

Cathrin Gawlista

Buchempfehlung:
Werner, Renate: Zuhause sterben. Claudius Verlag 2014.

Bild www.claudius.de

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Die Frage, wie man Trauernden hilfreich begegnet, verunsichert generell viele Menschen. Insbesondere im Umgang mit trauernden Kindern ist die Angst, Fehler zu machen, meist besonders groß. Ein guter Anfang ist der Blick auf die kindliche Wahrnehmung.

Es wird oft vergessen, dass auch im Leben vieler Kinder Trauer eine große Rolle spielt: In Deutschland leben rund 800.000 Kinder, von denen mindestens ein Elternteil verstorben ist. Viele haben ein Geschwisterkind zu betrauern und zu eigentlich fast jeder Kindheit gehört der Verlust einer Oma oder eines Opas. Die Frage, wie man auf Kinder in dieser Situation zugeht, stellen sich neben den engsten Familienangehörigen natürlich auch Erzieher, Lehrer, Nachbarn, Freunde usw. Zwar sollte man sich im Umgang mit trauernden Kindern im Zweifel auf seine Intuition verlassen, ein paar Grundregeln können aber Sicherheit geben:

Am wichtigsten ist das Verständnis dafür, dass besonders kleine Kinder ein ganz anderes Trauerverhalten zeigen als Erwachsene und meist sehr schnell zwischen sehr traurigen und sehr fröhlichen Momenten wechseln. Das liegt unter anderem daran, dass ihr Verhalten noch nicht von vermeintlichen gesellschaftlichen Regeln bestimmt wird und dass sie manchmal auch Angst haben, zu sehr von ihrer Trauer überrollt zu werden. Die Todesnachricht sollte kindgerecht vermittelt werden, also weder ausweichend noch durch missverständliche Umschreibungen. Ein gut gemeintes „Der Opa ist friedlich eingeschlafen“ etwa kann leicht dazu führen, dass sich ein Kind danach weigert, abends ins Bett zu gehen.

Kinder wollen ernst genommen werden und brauchen einen verlässlichen Ansprechpartner. Wenn zum Beispiel ein Elternteil verstorben ist, hat der andere Elternteil in seinem eigenen Schmerz meist nicht in die Kraft, dem Kind dieser Ansprechpartner zu sein. Diese Aufgabe können vertraute Nachbarn, Paten oder andere Verwandte übernehmen. Am besten signalisiert man den Kindern, dass sie jederzeit über das Geschehene sprechen können und dass jede geäußerte Emotion willkommen ist. Auch das Weiterführen des gewohnten Alltags ist für Kinder in der Trauersituation eine große Hilfe. Dabei können Außenstehende Trauerfamilien sehr gut unterstützen, indem sie zum Beispiel für das Kochen, Einkäufe, die Hausaufgabenbetreuung oder Fahrdienste einspringen.

Oft neigen Kinder dazu, sich für alles verantwortlich zu fühlen. In jedem Fall muss einem Kind deutlich vermittelt werden, dass der Tod des Angehörigen nichts mit seinem Verhalten oder seinen Gedanken zu tun hat. Wichtig ist es auch, dem Kind zu versichern, dass der Verstorbene es geliebt hat, dass er wusste, dass das Kind ihn geliebt hat, und dass er dem Kind nur das Beste für sein weiteres Leben wünscht. Aus dieser Bestätigung ziehen Heranwachsende sehr viel Vertrauen und Kraft für ihren weiteren Lebensweg. Für die Bestattung gilt, dass das Kind alles darf, aber nichts muss: Vielleicht möchte es den Verstorbenen noch einmal sehen oder sogar anfassen, ein Bild malen oder einen Abschiedsbrief schreiben und an der Bestattung teilnehmen. Vorher sollte es unbedingt altersgerecht auf die jeweilige Situation vorbereitet werden und natürlich auch jederzeit gehen können, wenn es ihm zu viel wird.

Bei aller charakterlichen Einzigartigkeit jedes Kindes gibt es für verschiedene Altersstufen typische Verhaltensweisen und Wahrnehmungsarten, auf die man sich als Bezugsperson im Trauerfall einstellen sollte. Kinder unter drei Jahren haben noch keine Vorstellung vom Tod und sprechen auch nicht darüber, nehmen aber die veränderten Emotionen in ihrer Umgebung sehr deutlich wahr. Sie haben häufig ein verstärktes Kuschelbedürfnis. Kindergartenkinder vergleichen den Tod oft mit dem Schlaf und begreifen noch nicht seine Endgültigkeit. Sie reagieren in der Trauersituation vielfach mit starken Verlustängsten. Grundschulkinder verstehen immer mehr, dass das Sterben nicht reversibel ist und dass auch sie selbst sterblich sind. Sie stellen sich den Tod meist bildlich als Sensemann oder Engel vor und stellen viele Fragen. Manchmal sehen sie den Tod als Strafe und entwickeln Schuldgefühle oder extreme Wut. Jugendliche beschäftigen sich schon sehr konkret mit dem Thema Endlichkeit, was sie gleichzeitig fasziniert und ängstigt. Viele ziehen sich in der Trauersituation sehr zurück oder geben sich auffallend unbeteiligt.

Manchmal ist professionelle Hilfe notwendig

In der Regel richten sich Kinder und Jugendliche nach einer gewissen Zeit in ihrer neuen Lebenssituation ein. Dann wird aus der ohnmächtigen Trauer ein zwar lebenslang schmerzhaftes, aber auch sehr liebevolles und positives Erinnern. Dennoch sollten Bezugspersonen mögliche Hinweise darauf, dass das Kind oder der Jugendliche in seinem Trauerprozess blockiert ist und Gefahr läuft, später psychisch zu erkranken, sehr ernst nehmen. Zu diesen Warnsignalen gehören ganz verschiedene Verhaltensweisen: ein starker Rückzug von Familie und Freunden, dauerhafte Leistungseinbrüche in der Schule, ein vermeintlich gleichgültiges Weitermachen wie bisher, aggressives oder selbstverletzendes Verhalten, starke Trennungsängste und anhaltende Symptome wie Schlaflosigkeit, Bettnässen, Appetitlosigkeit oder Kopfschmerzen.

In diesen Fällen ist eine professionelle Unterstützung durch einen Psychologen dringend ratsam. Vielen Kindern helfen auch Trauergruppen, die in ganz Deutschland angeboten werden. Darin finden sie einen geschützten Raum, in dem sie sich mit anderen Betroffenen austauschen können und nicht das Gefühl haben, ihr Umfeld mit ihren oft widersprüchlichen Gefühlen zu belasten. Kleinere Kinder können dort durch Spielen, Malen oder Toben ihre Trauer ausdrücken und so leichter damit umgehen.

Den meisten Kindern helfen aber schon die genannten Unterstützungsmöglichkeiten in ihrem vertrauten Umfeld und die Bereitschaft, ihre individuelle Art der Trauerbewältigung zu akzeptieren. Erwachsene, die sehr unsicher sind, sollten sich dennoch ein Herz fassen und mutig auf die Kinder zugehen: Wichtiger als das Richtige zu tun ist es, sich überhaupt bewusst mit der Trauer des Kindes auseinanderzusetzen und ihm ein Gefühl von Stabilität und Zuverlässigkeit zu geben. Wenn das gelingt, können die Großen sogar ungemein von dieser Interaktion mit den Kleinen profitieren, denn „Kinder, die sich auch angesichts eines Verlustes sicher fühlen, sind die besten Lehrmeister für einen unverkrampften Umgang mit Tod und Trauer.“ *

Für trauernde Kinder oder Jugendliche und ihre Bezugspersonen empfiehlt sich ein Anruf bei der Hilfsorganisation „Lebensquelle Trauer“ unter der Nummer 0700-70400400. Hier stehen ausgebildete Trauerbegleiter für Gespräche zur Verfügung. Umfangreiche Informationen finden sich außerdem im Netz unter www.kindertrauer.info.

Cathrin Gawlista

Bild Fotolia/Phils Photography

* Zitat aus dem Buch „Keine Angst von fremden Tränen“ von Chris Paul

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Wir sind alle ständig online, um uns zu informieren, zu amüsieren, einzukaufen oder mit anderen zu kommunizieren. Inzwischen hat auch das Trauern und Erinnern selbstverständlich einen Platz im Internet gefunden. Eine Betrachtung öffentlicher Trauer.

Trauer kommt im Netz auf ganz verschiedene Arten zum Ausdruck. Viele Menschen äußern sich in den sozialen Netzwerken wie Facebook oder Twitter, wenn sie trauern. Und das nicht nur, wenn sie von einem ihnen nahestehenden Menschen Abschied nehmen müssen – auch beim Tod mehr oder weniger berühmter Persönlichkeiten posten viele Ihre Trauer oder Anteilnahme. Ebenso wird nach Naturkatastrophen, Terroranschlägen oder anderen Unglücksfällen kollektiv öffentlich getrauert und der Opfer gedacht. Dabei geht es aber vor allem darum, ein Zeichen zu setzen und vielleicht mit einem Statement seine Gesinnung kundzutun. Obwohl bei der Mehrheit der Online-Community Einigkeit über den Sinn dieser Trauerbekundungen zu herrschen scheint, werden immer mal wieder einzelne Stimmen von Menschen laut, die sich davon distanzieren.

Eine weitere wichtige Variante des Online-Trauerns liegt in den persönlichen Gedenkseiten für Verstorbene in speziellen Gedenkportalen. Nachdem zunächst einige Verlage begonnen hatten, die gedruckten Traueranzeigen ihrer Zeitungen ins Internet zu stellen, entwickelten sich schnell verschiedene Gedenkportale, deren Gedenkseiten weit mehr Inhalt boten als nur die biografischen Daten des Verstorbenen und einen Trauerspruch. So können je nach Portal zum Beispiel Fotos oder Musikstücke hochgeladen, Anekdoten oder wichtige Stationen aus dem Leben des Verstorbenen geschildert oder virtuelle Kerzen angezündet werden. In der Regel sind Gedenkseiten mit Kosten oder hohem Werbeaufkommen verbunden, dennoch erfreut sich dieses Angebot grundsätzlich wachsender Beliebtheit. Aufgrund der großen Nachfrage haben heute einige Bestatter bereits eigene Gedenkportale und bieten bei einem Bestattungsauftrag den Trauernden als besonderen Service eine kostenlose persönliche Gedenkseite für den Verstorbenen.

Gedenkseiten halten die Erinnerung lebendig

Ein großer Vorteil der Gedenkseiten liegt darin, dass jeder Verstorbene so wesentlich länger im Fokus der Aufmerksamkeit bleibt. Früher beklagten manche Angehörige, dass schon kurze Zeit nach der Bestattung in ihrer Wahrnehmung das Umfeld einfach wieder zur Tagesordnung überging und der Verstorbene vermeintlich in Vergessenheit geriet.

Gedenkseiten bieten so viele Möglichkeiten, gemeinsam die Erinnerung an ein vergangenes Leben wachzuhalten, den Verstorbenen zu ehren und den Angehörigen Trost zu spenden und Mut zuzusprechen. Die Freunde und Bekannten der Trauernden können auf diesem Weg ihre Anteilnahme ausdrücken, ohne Gefahr zu laufen, einen unpassenden Moment zu erwischen. Wer möchte, hat hier die Gelegenheit, ganz persönliche Abschiedsworte an den Verstorbenen zu richten. Die so geteilte Trauer und der häufig rege Austausch untereinander können für alle Beteiligten auch noch lange nach der Beisetzung eine wertvolle Hilfe sein.

Natürlich wird nicht jede Seite gleich häufig frequentiert und auch die Zahl der Kondolenzeinträge oder der angezündeten virtuellen Kerzen variiert sicher erheblich. Immerhin sind auch die Trauergemeinschaften von Trauerfall zu Trauerfall sehr unterschiedlich zusammengesetzt. Zudem sollte sich jeder Nutzer darüber im Klaren sein, dass ein Eintrag auf einer Gedenkseite den wichtigen persönlichen Kontakt zu Trauernden nur ergänzen und niemals ersetzen kann. Dennoch ist das Online-Trauern und Online-Gedenken eine bedeutsame Errungenschaft der modernen Trauerkultur. Und sicher hilft es uns allen auch, unserer Endlichkeit ihre verdiente Beachtung zu schenken.

Cathrin Gawlista

Foto: Rapid Data