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Wir sind alle ständig online, um uns zu informieren, zu amüsieren, einzukaufen oder mit anderen zu kommunizieren. Inzwischen hat auch das Trauern und Erinnern selbstverständlich einen Platz im Internet gefunden. Eine Betrachtung öffentlicher Trauer.

Trauer kommt im Netz auf ganz verschiedene Arten zum Ausdruck. Viele Menschen äußern sich in den sozialen Netzwerken wie Facebook oder Twitter, wenn sie trauern. Und das nicht nur, wenn sie von einem ihnen nahestehenden Menschen Abschied nehmen müssen – auch beim Tod mehr oder weniger berühmter Persönlichkeiten posten viele Ihre Trauer oder Anteilnahme. Ebenso wird nach Naturkatastrophen, Terroranschlägen oder anderen Unglücksfällen kollektiv öffentlich getrauert und der Opfer gedacht. Dabei geht es aber vor allem darum, ein Zeichen zu setzen und vielleicht mit einem Statement seine Gesinnung kundzutun. Obwohl bei der Mehrheit der Online-Community Einigkeit über den Sinn dieser Trauerbekundungen zu herrschen scheint, werden immer mal wieder einzelne Stimmen von Menschen laut, die sich davon distanzieren.

Eine weitere wichtige Variante des Online-Trauerns liegt in den persönlichen Gedenkseiten für Verstorbene in speziellen Gedenkportalen. Nachdem zunächst einige Verlage begonnen hatten, die gedruckten Traueranzeigen ihrer Zeitungen ins Internet zu stellen, entwickelten sich schnell verschiedene Gedenkportale, deren Gedenkseiten weit mehr Inhalt boten als nur die biografischen Daten des Verstorbenen und einen Trauerspruch. So können je nach Portal zum Beispiel Fotos oder Musikstücke hochgeladen, Anekdoten oder wichtige Stationen aus dem Leben des Verstorbenen geschildert oder virtuelle Kerzen angezündet werden. In der Regel sind Gedenkseiten mit Kosten oder hohem Werbeaufkommen verbunden, dennoch erfreut sich dieses Angebot grundsätzlich wachsender Beliebtheit. Aufgrund der großen Nachfrage haben heute einige Bestatter bereits eigene Gedenkportale und bieten bei einem Bestattungsauftrag den Trauernden als besonderen Service eine kostenlose persönliche Gedenkseite für den Verstorbenen.

Gedenkseiten halten die Erinnerung lebendig

Ein großer Vorteil der Gedenkseiten liegt darin, dass jeder Verstorbene so wesentlich länger im Fokus der Aufmerksamkeit bleibt. Früher beklagten manche Angehörige, dass schon kurze Zeit nach der Bestattung in ihrer Wahrnehmung das Umfeld einfach wieder zur Tagesordnung überging und der Verstorbene vermeintlich in Vergessenheit geriet.

Gedenkseiten bieten so viele Möglichkeiten, gemeinsam die Erinnerung an ein vergangenes Leben wachzuhalten, den Verstorbenen zu ehren und den Angehörigen Trost zu spenden und Mut zuzusprechen. Die Freunde und Bekannten der Trauernden können auf diesem Weg ihre Anteilnahme ausdrücken, ohne Gefahr zu laufen, einen unpassenden Moment zu erwischen. Wer möchte, hat hier die Gelegenheit, ganz persönliche Abschiedsworte an den Verstorbenen zu richten. Die so geteilte Trauer und der häufig rege Austausch untereinander können für alle Beteiligten auch noch lange nach der Beisetzung eine wertvolle Hilfe sein.

Natürlich wird nicht jede Seite gleich häufig frequentiert und auch die Zahl der Kondolenzeinträge oder der angezündeten virtuellen Kerzen variiert sicher erheblich. Immerhin sind auch die Trauergemeinschaften von Trauerfall zu Trauerfall sehr unterschiedlich zusammengesetzt. Zudem sollte sich jeder Nutzer darüber im Klaren sein, dass ein Eintrag auf einer Gedenkseite den wichtigen persönlichen Kontakt zu Trauernden nur ergänzen und niemals ersetzen kann. Dennoch ist das Online-Trauern und Online-Gedenken eine bedeutsame Errungenschaft der modernen Trauerkultur. Und sicher hilft es uns allen auch, unserer Endlichkeit ihre verdiente Beachtung zu schenken.

Cathrin Gawlista

Foto: Rapid Data

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Über Sternenkinder wird in der Öffentlichkeit eher wenig gesprochen, dabei gibt es viel mehr verwaiste Eltern, als man denkt. Gegen das Schicksal, sein Kind zu verlieren, kann man nichts machen. Aber man kann sich bewusst und liebevoll verabschieden.

Guter Hoffnung zu sein heißt auch, selbstverständlich darauf zu vertrauen, dass die Schwangerschaft normal verläuft und schließlich ein gesundes Kind die Welt erblickt. Leider ist dieses Glück aber nicht allen Schwangeren vergönnt: Etwa 30 Prozent aller ärztlich festgestellten Schwangerschaften enden mit einer Fehlgeburt, davon wiederum rund 80 Prozent in den ersten drei Schwangerschaftsmonaten. Der Begriff Sternenkinder bezeichnet vorrangig diese fehlgeborenen Kinder, aber im weiteren Sinne auch Säuglinge, die nach Frühgeburt verstorben sind, oder totgeborene Kinder. Manchmal werden Sternenkinder auch als Schmetterlingskinder oder Engelskinder bezeichnet.

Alle Eltern, die sich über Wochen oder Monate auf ihr Kind gefreut haben, werden meist überraschend ihrer Illusion beraubt und dann von den Geschehnissen überrannt. Leider sind noch immer viele Hebammen und Krankenpfleger nicht darin geschult, in so einer Situation den Betroffenen wirklich hilfreich und feinfühlig zur Seite zu stehen. Die Eltern bleiben mit ihrer Trauer allein und wissen nicht, wie sie sich verhalten sollen oder dürfen. Viele bekommen auch aus ihrem sozialen Umfeld zu wenig Unterstützung, fühlen sich teilweise schuldig oder glauben, nach kürzester Zeit wieder „normal funktionieren“ zu müssen.

Dabei ist es gerade bei einem Sternenkind so wichtig, den Verlust zu akzeptieren und das ungelebte Leben bewusst loszulassen. Damit ist genau das Gegenteil von Verdrängung gemeint: Hilfreich sind Erinnerungen daran, wie sehr man sich auf das Kind gefreut und wie man bei seinem Abschied getrauert hat. Gut ist es, wenn man weiß, an wen man sich in dieser Situation mit seinen Fragen, Wünschen und Gefühlen am besten wenden kann.

Schnell die richtige Unterstützung finden

Die vielleicht empfehlenswerteste Anlaufstelle im Netz für Eltern von Sternenkindern ist die Seite www.leere-wiege.de. Hier findet man Rat und Hilfe für den Akutfall, Tipps für eine bewusste Abschiednahme, Bestattungsmöglichkeiten, rechtliche Informationen, amtliche Vordrucke, Selbsthilfegruppen und Therapeuten, weiterführende Literatur und Links, Adressen und vieles mehr.

Für liebevolle Erinnerungen gibt es vielfältige Angebote, vom Fuß- oder Fingerabdruck auf einem Schmuckstück bis zum auf Leinwand gezogenen Ultraschallbild. Besonders erwähnenswert ist in diesem Zusammenhang die Initiative „Dein Sternenkind“. Dabei sind rund 400 Fotografen in ganz Deutschland unterwegs, die ehrenamtlich Fotos von Sternenkindern machen und den Eltern damit wertvolle Andenken schenken (siehe www.dein-sternenkind.eu). Bei dem Projekt „Herzenssache“ engagieren sich Nähbegeisterte und fertigen ehrenamtlich schöne Kleidungsstücke, in denen Sternenkinder bestattet werden können (siehe www.herzenssache-nfsuf.de).

Rechtlich spielt das Gewicht des Kindes eine Rolle

Der Schmerz und die Trauer der Eltern um ihr ungeborenes Leben bemisst sich natürlich nicht an Zahlen, die rechtliche Situation in so einem Trauerfall aber sehr wohl: Seit dem im Jahr 2013 geänderten Personenstandsrecht haben Eltern auch bei Frühgeburten unter 500 Gramm das Recht, ihr Kind standesamtlich eintragen zu lassen. Sie können ihr Kind auf Wunsch bestatten, müssen es aber nicht. Bei Kindern über 500 Gramm wird aus dem Bestattungsrecht eine Bestattungspflicht. Im Detail unterscheiden sich die Bestattungsgesetze der Bundesländer auch bei den Sternenkindern, die Abweichungen sind jedoch marginal. Weitere Informationen zu den gesetzlichen Regelungen finden Sie unter www.aeternitas.de/inhalt/kind_tod_trauer/sternenkinder/sternenkinder_rechtliches.

Cathrin Gawlista

Quelle: http://www.deutschlandfunkkultur.de/sternenkinder.1124.de.html?dram:article_id=224817

Foto: Pixabay

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Wenn ein Mensch gestorben ist, beginnt für die Angehörigen die Zeit der Trauer, zumindest in den Augen ihres Umfelds. Dabei fängt die Herausforderung des Abschiednehmens doch eigentlich schon in der Phase davor an, wenn der nahe Tod das Leben prägt.

Natürlich trifft viele Menschen der Tod plötzlich und unerwartet, und dann sitzt der Schock bei den Angehörigen besonders tief. Weitaus häufiger jedoch gibt es eine mehr oder weniger lange Zeit, in der dem Sterbenden und seiner Familie bewusst ist, dass das Lebensende bevorsteht. Das ist für alle Beteiligten keine leichte Aufgabe, aber dennoch auch eine Chance: Es gilt, die verbleibendenden Tage, Wochen oder Monate so lebenswert wie möglich zu gestalten, wertvolle letzte gemeinsame Zeit zu verbringen und wichtige Fragen zu klären.

Nicht nur für den Sterbenden selbst bedeutet diese Phase eine große psychische Belastung. Auch diejenigen, die ihm auf diesem schweren Weg zur Seite stehen, befinden sich dabei in einer Extremsituation. Trotz der eigenen Trauer um die Unausweichlichkeit des baldigen Abschieds müssen sie Kraft für die Bewältigung des Alltags und für die Pflege des Sterbenden finden. Und sie müssen es aushalten, wenn die letzte Phase des Lebens mit Schmerzen oder auch mit vielen Ängsten verbunden ist.

Deshalb sind kleine Momente der Freude und der Erholung so wichtig, während man einen geliebten Menschen beim Sterben begleitet. Wenn man ein paar Dinge beachtet, ist es durchaus möglich, dieser schweren Zeit auch Positives abzugewinnen und sich nicht zu überfordern. Dabei geht es weder um richtig oder falsch noch um Perfektion, sondern einzig darum, die jeweilige Situation anzunehmen und den Gestaltungsspielraum zu nutzen.

Offenheit und die richtige Unterstützung sind das Wichtigste

Der vielleicht wichtigste Rat in dieser Situation ist es, so viel wie möglich mit dem Sterbenden zu sprechen. Dabei können in offener und vertrauensvoller Atmosphäre wichtige Fragen geklärt werden, etwa von wem sich der Sterbende noch verabschieden möchte, wo er sterben will und was für eine Abschiedsfeier er sich wünscht. Vielen tut es auch gut, die eigenen Gefühle und Gedanken mitzuteilen oder mit der Familie über besondere Erlebnisse und schöne gemeinsame Erinnerungen zu sprechen.

Entscheidend ist es zudem, möglichst viel Zeit füreinander zu haben. Dafür ist es notwendig, sich geeignete Unterstützung von außen zu holen und zum Beispiel alltägliche Pflichten wie putzen, kochen oder einkaufen an freiwillige Helfer oder entsprechende Dienstleister zu delegieren. Wenn es gelingt, sich diesen Freiraum zu schaffen, sind kostbare kleine Auszeiten möglich, in denen man gemeinsam spielen, Musik hören oder sich einfach nur nahe sein kann. Vielleicht gibt es auch noch letzte kleine Wünsche, die man dem Sterbenden erfüllen möchte.

Angehörige, die einen Menschen an seinem Lebensende begleiten, sollten auch auf ihre eigenen Kräfte achten und ihre manchmal widersprüchlichen Gefühle annehmen. Das Abschiednehmen bleibt eine schmerzhafte Erfahrung und gerade die Trauer vor dem Tod ist eine beachtliche Herausforderung. Es gilt, die Balance zu finden zwischen der eigenen Hilflosigkeit und dem Wunsch, dem Sterbenden eine starke Schulter zu sein. Insbesondere wenn jemand nach langer, schwerer Krankheit stirbt, kommt es daher vor, dass die Angehörigen neben der Trauer eine große Erleichterung fühlen, weil das Leiden ein Ende hat. Und weil ihr eigener Schmerz um den Verlust einer geliebten Person mehr in den Vordergrund rückt. Auch dieses Gefühl bedarf keiner Rechtfertigung.

Cathrin Gawlista

Quelle: http://www.netdoktor.de/palliativmedizin/ein-geliebter-mensch-stirbt-w-13167.html

Foto: Pixabay

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Männer und Frauen gehen bekanntlich ganz unterschiedlich mit ihren Gefühlen um, das schlägt sich auch ihrer Art zu trauern nieder. Männer lenken sich eher ab, während Frauen gerne darüber sprechen. Das fällt besonders ins Gewicht, wenn Paare trauern.

Auch wenn natürlich jeder Mensch auf seine individuelle Art trauert und immer wieder Ausnahmen die Regel bestätigen, lassen sich doch wesentliche geschlechtsspezifische Unterschiede in der Trauerbewältigung ausmachen. Die meisten Männer versuchen ihr Inneres nicht nach außen zu tragen und sich im Trauerfall ihre extreme emotionale Belastung nicht anmerken zu lassen. Sie wollen den Verlustschmerz allein bewältigen und ihrer Trauer analytisch begegnen. Frauen dagegen lassen ihre Trauer zu und haben in der Regel viele Personen um sich herum, denen sie sich auch in gefühlsmäßigen Ausnahmesituationen gerne anvertrauen.

Eine typische männliche Reaktion beim Tod eines geliebten Menschen ist die Flucht in Ablenkung: Viele stürzen sich vehement in die Arbeit, machen extrem viel Sport oder betäuben sich mit Alkohol und Drogen, um die Gefühle von Wut und Hilflosigkeit, die in der Trauer immer mitschwingen, nicht spüren zu müssen. Dass Frauen so ganz anders mit ihrer Trauer umgehen, macht es insbesondere für Paare, die ein Kind verloren haben, außergewöhnlich schwierig. Wenn der Partner bzw. die Partnerin in dieser extrem belastenden Situation so ganz anders reagiert, sind Beziehungsprobleme eher die Regel als die Ausnahme. Auf der anderen Seite können natürlich gemeinsam bewältigte Krisen eine Partnerschaft auch vertiefen, allerdings nur dann, wenn sich beide ihrer Trauer stellen.

Trauer überspielen kann gefährlich werden

In einem Interview zu diesem Thema sagt Dr. Martin Kreuels, der selbst seine Frau verloren hat und sich seitdem als Autor und Fotograf auf verschiedene Weise mit trauernden Menschen beschäftigt: „Ein Mann versucht in einer Stresssituation, die Familie zusammenzuhalten, während die Frau sich fallen lässt. (...) Das ist das klassische Verhalten von uns Männern. Die Frauen leben ihre Trauer aus, während die Männer mehr oder weniger herunterschlucken, sich durch Aktivitäten ablenken oder in ein Suchtverhalten geraten, weil sie nicht darüber reden können. Sie fangen an zu trinken, werden spielsüchtig, flüchten sich in sportliche Aktivitäten...“

Im Verlauf des Interviews führt Kreuels aus, dass diese Art der Kompensation verhindert, dass die Trauer wirklich akzeptiert und man so wieder handlungsfähig wird. Wenn das dauerhaft nicht gelingt, resultieren daraus häufig körperliche Beschwerden, Depressionen oder Suchtprobleme mit den entsprechenden Folgeschäden. Es lohnt sich also, in der Trauer über seinen Schatten zu springen und darüber zu sprechen, auch wenn es ungewohnt ist und einem am Anfang wirklich schwerfällt. Es heißt, dass insbesondere Männer von den Gesprächen in offenen Trauergruppen profitieren, weil sie dort in relativ anonymer und doch verständnisvoller Atmosphäre über ihren Verlust reden können. Und ganz gleich, ob man viel oder wenig Worte über seine Trauer verliert: Es tut Männern und Frauen gleichermaßen gut.

Cathrin Gawlista

Foto: Pixabay

Quelle: https://viabilia.de/m%C3%A4nner-trauern-anders-540.htm

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Im Umgang mit Trauernden herrscht oft große Unsicherheit: Was soll man sagen? Darf man fragen, wie es der trauernden Person geht? Oder sollte man das Thema lieber meiden? Und was ist zu tun, wenn von dem Verstorbenen erzählt wird? Eine Hilfestellung.

„Herzliches Beileid“ als Ausdruck offener Anteilnahme – oder wie kann man sonst seine Betroffenheit zum Ausdruck bringen? Das ist in der Tat nicht einfach, denn sein Beileid bekunden erfordert auch immer Feingefühl.

Wenn ein Bekannter, Verwandter oder Freund um jemanden trauert, wissen viele Menschen nicht, wie sie mit dem Trauernden umgehen sollen. Was tun und was äußern? Manche Menschen sind so sehr verunsichert, dass sie lieber gar nichts sagen oder der betroffenen Person einfach aus dem Weg gehen – nicht etwa aus Bosheit, sondern häufig vielmehr aus Hilflosigkeit und der Angst, etwas Falsches zu sagen oder zu tun.

Natürlich gibt es keine Patentlösung für DIE richtigen Worte oder DAS richtige Verhalten. Doch es gibt einige Dinge, die es besser zu vermeiden gilt und einiges, was stattdessen sinnvoll ist:

Die passenden Worte finden und Unterstützung anbieten

Insbesondere bei der ersten Begegnung mit Trauernden kann es schwer fallen, die richtigen Worte zu finden. Wenn Sie unsicher sind und nicht wissen, wie Sie ihre Anteilnahme ausdrücken sollen, dann können Sie genau das auch sagen. Allerdings sollten Sie Floskeln wie „Die Zeit heilt alle Wunden“, „Du muss jetzt stark sein“ oder „Ich weiß genau, wie es Dir jetzt geht“ lieber vermeiden. Hilfreicher sind ehrlich gemeinte Sätze wie: „Sein Tod geht mir auch sehr nahe. Ich möchte Dir gerne helfen, weiß aber nicht wie. Sag mir, was ich für Dich tun kann“. Auch wenn Ihre Worte nicht perfekt sind, wird Ihre aufrichtige Anteilnahme ankommen.

Trauernde brauchen gerade Menschen, die aushalten können, dass sie traurig sind und ihnen auch das Gefühl geben, dass sie traurig sein dürfen. Bedauert zu werden vermittelt niemanden ein gutes Gefühl und wirkt eher „klein machend“ anstatt zu stärken. Statt zu bemitleiden, ist es daher sinnvoll, lieber Mitgefühl zu zeigen und seine Unterstützung anzubieten. Überlegen Sie, was Ihr Freund, Verwandter oder Bekannter sonst gerne tut. Trauernde sind oftmals erleichtert, wenn Sie vorschlagen, gemeinsam etwas zu unternehmen.

Manchmal sind Trauernde auch wie gelähmt und zeitweise nicht in der Lage, die simpelsten Dinge zu regeln. Sie können dann Ihre praktische Hilfe anbieten: Schlagen Sie vor, etwas zusammen anzugehen oder erklären Sie sich bereit, den Papierkram zu erledigen oder den Hund auszuführen. Manchmal sind auch schon viel elementarere Dinge hilfreich – den Einkauf besorgen, etwas Kochen oder einen gemeinsamen Spaziergang an der frischen Luft unternehmen.

Bewusstes Erinnern und Kontakt halten

Auch wenn es Außenstehende zuweilen verunsichert – Trauernde möchten häufig von ihrem geliebten Menschen erzählen. Trauer braucht ihren Platz und das eben auch in der Sprache. Daher tut es vielen Betroffenen gut, wenn andere sich offen zeigen und von ihren eigenen Erinnerungen an den Verstorbenen erzählen. Solche persönlichen Geschichten, Fotos, Videos oder auch alle anderen denkbaren Erinnerungsstücke sind für Trauernde ein wertvoller Erinnerungsschatz – und das oft das ganze Leben lang. Daher tut es gut zu wissen, wie sehr auch andere den Verstorbenen geschätzt haben und was sie mit ihm erleben durften.

Aufrichtige Anteilnahme und herzliche Fürsorge sollte nach der Beisetzung nicht enden. Halten Sie Kontakt zu Ihrem betroffenen Freund oder Bekannten. Fragen Sie vorsichtig nach, wenn Sie länger nichts von ihm gehört haben, verabreden Sie sich zu einem Treffen oder schreiben Sie eine nette E-Mail oder schöne Karte zu bestimmten Anlässen.

Trauer ist schwerste körperliche und seelische Arbeit. Den Schmerz über den Verlust eines geliebten Menschen auszuhalten ist ungemein kräftezehrend und erschöpfend. Lassen Sie sich also nicht entmutigen, wenn Ihre Einladung nicht gleich angenommen wird. Haben Sie etwas Geduld mit Ihrem Gegenüber. Zuweilen braucht es etwas Zeit, bis der Trauernde sich nach außen hin öffnet. Nehmen Sie Absagen also nicht persönlich.

Natürlich sind alle Menschen unterschiedlich in ihren Reaktionen und in ihrem Erleben von Trauer. Auch existieren die verschiedensten Mittel und Wege Trauer zu bewältigen. Jeder Trauernde muss jedoch seinen eigenen Weg gehen und vielleicht auch erst herausfinden, was ihm gut tut. Und das erfordert immer etwas Zeit und vor allem Geduld.

Wenn Sie absolut nicht sicher sind, was Sie sagen können oder ob sie das Richtige tun – dann fragen Sie den Betreffenden doch einfach mal. Er wird ihnen antworten und sagen, was er empfindet und benötigt.

Stephanie Tamm

Foto:
Pixabay

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Trauern ist eine zutiefst menschliche Reaktion auf den Verlust eines Menschen. Doch was tut gut in Zeiten der Trauer? Wie kann man seine Trauer äußern? Und was hilft dabei, die eigene Erinnerung an den Verstorbenen in das eigene Leben zu integrieren?

Auf viele der Fragen rund um den Prozess der Trauer gibt es keine universellen Antworten. Trauer kann sich auf verschiedenste Art und Weise ausdrücken. Dabei gibt es kein Richtig und kein Falsch. Was dem Einen gut tut, kann für den Anderen undenkbar sein. Jeder Mensch muss seinen eigenen Weg finden, wie er mit dem Verlust eines geliebten Menschen umgehen kann. Es gibt jedoch „Strategien“ und „Konzepte“, die Trauernden ein Rüstzeug an die Hand geben, mit der Trauer leben zu lernen und auch wieder aus ihr heraus zu finden.

Unterstützung bietet zum Beispiel das Konzept der „Trauer-Aufgaben“ des amerikanischen Psychotherapeuten J. William Worden, der den Prozess der Trauer mit dem körperlichen Heilungsprozess nach einer Krankheit (Trauer braucht Zeit) und mit dem Wachstumsprozess eines Kindes (Trauer fördert neue Fähigkeiten) vergleicht. Trauer macht es erforderlich, sich mit der Verlusterfahrung und den eigenen Gedanken zu konfrontieren und die veränderte Welt – ohne den geliebten Verstorbenen – neu zu strukturieren.

Vier „Trauer-Aufgaben“

Oftmals hilft es trauernden Menschen, wenn sie begreifen, was sie selbst aktiv dafür tun können, die Zeit der Trauer besser zu überstehen. In diesem Sinne liegt dem Trauermodell nach Worden die Ansicht zugrunde, dass der Prozess der Trauer aus vier elementaren Aufgaben besteht, die der Trauernde zu bewältigen hat:

Anfangs geht es darum, den Verlust eines geliebten Menschen überhaupt zu begreifen und als Realität zu akzeptieren. Erst wenn einem bewusst ist, dass die betreffende Person nicht nur vorübergehend „abwesend“, sondern tatsächlich tot ist, kann die Trauerarbeit beginnen.

Dann geht es darum, den Verlustschmerz zuzulassen, der sich häufig in zwiespältigen Gefühlen äußert – und das über einen unbestimmten Zeitraum. Trauer kann neben der buchstäblichen Traurigkeit nämlich ganz unterschiedliche Gefühle hervorrufen: Wut, Ärger oder Angst. Aber auch Erleichterung, Sehnsucht oder Begehren und viele mehr. Dabei benötigen all diese Gefühle Ihren Platz. Ambivalenz ist hier „normal“ – und auch, dass innerhalb der Familie, des Freundes- oder Bekanntenkreises alle unterschiedliche Gefühle zu verschiedenen Zeiten haben können. Wichtig ist, von anderen nicht zu erwarten, dass sie das Gleiche fühlen, wie man selbst.

Die dritte wichtige Aufgabe besteht darin, zu lernen, sich an eine Welt ohne den Verstorbenen zu gewöhnen – sich in einem völlig veränderten Leben zurechtzufinden. Trauernde fühlen sich manchmal bodenlos, wissen nicht, wie das Leben ohne die betreffende Person weitergehen kann. Das rührt vielfach daher, dass erst viel später klar wird, welche Rollen der Verstorbene inne hatte oder welche Aufgaben er erfüllte. Arbeiten müssen dann neu verteilt, Rituale überdacht oder gar die Wohnung ausgeräumt werden.

Was kann also dabei helfen, sich selbst auf einen neuen Lebensabschnitt einzulassen und dem Verstorbenen einen bestimmten Ort darin zuzuweisen? Darin besteht die letzte der vier „Trauer-Aufgaben“ nach Worden: Wenn akzeptiert wird, dass der Verstorbene wirklich tot ist, kann ihm ein neuer „Platz“ zugewiesen werden. Er sitzt dann nicht mehr wie sonst auf der Veranda in seinem Schaukelstuhl oder kocht die leckere Lasagne, die immer zusammen mit den Kindern verspeist wurde. Stattdessen wird die geliebte Person emotional neu „verortet“ und damit an einem neuen Ort vorstellbar – im eigenen Herzen, im Foto auf dem Kamin, auf dem Friedhof an der großen Eiche oder gar im Himmel.

Dieser Platz kann ganz individuell sein und sich auch wieder ändern. Wichtig ist nur, dass es ein Platz ist, den man (gedanklich) besuchen und auch wieder verlassen kann.

Trauer ist ambivalent – und positiv beeinflussbar

In Zeiten der Trauer sind viele Gefühlsreaktionen unvorhersehbar. Wichtig ist hierbei das Wissen um diese Ambivalenz und die Auseinandersetzung damit im Sinne einer Selbstreflexion: Wie beeinflusst der Tod des geliebten Menschen den eigenen Lebensalltag, das Selbstbewusstsein, die eigenen Werte oder Glaubensvorstellungen?

Es braucht häufig Zeit und Geduld, doch der Trauerprozess kann helfen, herauszufinden, was einen wirklich ausmacht und wo die eigenen Stärken und Schwächen liegen – abgekoppelt vom vorherigen Leben mit dem Verstorbenen.

Daraus können ganz neue Erkenntnisse erwachsen: Was beispielsweise konkret getan werden kann, um die eigene Entwicklung zu fördern. Wie man einen selbstständigen Lebensweg findet, sei es durch eine Ablösung von „alten“ Gewohnheiten mit dem Verstorbenen oder durch die Übernahme einer Aufgabe, die sonst der Verstorbene innehatte.

Auch unabhängig vom Trauermodell nach Worden spielen Aspekte immer eine wichtige Rolle, die den Trauerprozess positiv beeinflussen: ein stabiles Selbstwertgefühl, ein geregelter Tagesablauf, Rückzugsmöglichkeiten und ein gutes soziales Umfeld, in dem Gespräche mit Familie oder Freunden möglich sind. Nicht zuletzt eine persönliche Einstellung zum Leben, die Halt gibt – sei es der Glaube an Gott, an die eigene Spiritualität oder an ein bestimmtes Lebensmotto.

Im besten Fall kann die Verlusterfahrung zur persönlichen Weiterentwicklung genutzt werden, in der die Erinnerung an die verstorbene Person ihren festen Platz besitzt, ohne zu viel Raum im Lebensalltag des Trauernden einzunehmen.

Stephanie Tamm

Foto: Pixabay

Quelle: Bundesarbeitsgemeinschaft Trauerbegleitung (BAT)

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Die Bevölkerung in Deutschland ist zunehmend überaltert. Laut Statistischem Bundesamt starben im Jahre 2016 circa 911.000 Menschen. Befassen sich die Deutschen mit dem Tod? Wie und wo wollen wir sterben? Was können wir tun – für ein besseres Sterben?

Den eigenen Tod können wir nur wenig bis gar nicht beeinflussen. Er betrifft uns alle und wird uns totsicher begegnen. Dem einen früher. Dem anderen später. Doch auch wenn wir den Zeitpunkt und die Art unseres Todes nicht selbst in der Hand haben, so bestimmen wir eines ganz wesentlich: Die Stimmung, in der wir uns aus dem Leben verabschieden.

Der Deutsche Hospiz- und Palliativverband e.V. (DHPV) konnte bereits 2012 mit einer repräsentativen Bevölkerungsumfrage mit über 1.000 Deutschen aufzeigen, dass das Sterben und der Tod durchaus kein absolutes Tabu mehr sind. Bei nahezu jedem zweiten Befragten spielen Sterben und Tod im persönlichen Umfeld eine große bis sehr große Rolle. Sogar mehr als die Hälfte der Umfrageteilnehmer machen sich häufig Gedanken über das eigene Sterben.

Die Menschen in Deutschland sind in ihrem Lebensalltag also direkt mit dem Tod konfrontiert. Jeder Einzelne macht dabei seine ganz eigenen Erfahrungen. Allerdings empfinden knapp 60% der Befragten, dass die gesellschaftliche Auseinandersetzung mit dem Thema bei Weitem nicht ausreichend ist – zu wenig werde öffentlich darüber gesprochen.

Das Thema Tod wirft schnell weitere Fragen auf: Wo wollen wir sterben? Und wie wollen wir sterben? Die Antwort auf das „Wo?“ wird besonders im Hospiz- und Palliativwesen bereits seit vielen Jahren als Erfahrungswissen weitergegeben: Zu Hause. Fast 70% der Deutschen, die sich bereits über ihr eigenes Sterben Gedanken gemacht haben, möchten nur eines – zu Hause friedlich die Augen schließen. Weit mehr als jeder Zweite hofft auf so etwas wie den „berühmten“ (vorzugsweise schmerzlosen) Herzinfarkt im geliebten Wohnzimmersessel. Oder auf ein sanftes Einschlafen im Kreis der Lieben.

Doch diese Idealvorstellungen werden selten Realität: Weit über 40% der Menschen in der Bundesrepublik sterben in Krankenhäusern. Rund 30% in stationären Pflegeeinrichtungen. Und nur ca. 25% tatsächlich zu Hause. Summa summarum scheidet nicht mal jeder 20. auf die Schnelle aus dem Leben.

Eigenverantwortung? Am Ende erst recht

Im Ganzen erfahren 95% der Deutschen einen bewussten Sterbeprozess. Einen Sterbeprozess, der weit entfernt ist von der Vorstellung, selig einzuschlafen. Da niemand von uns weiß, wann genau seine Stunde kommen wird, lohnt es sich, sich frühzeitig über die eigene Endlichkeit klar zu werden:

Neben allen möglichen formellen Absicherungen wie Vollmachten oder Vorsorgeverträgen gibt es tatsächlich einiges, was wir selbst (für uns) tun können – und das in allen denkbaren Lebenslagen. Sich bewusst mit dem Sterben auseinandersetzen. Wozu? Um es sich selbst und seinen Lieben am Ende etwas leichter zu machen. Kurz gesagt: Um besser zu sterben.

Sich über den Fall der Fälle mit der Familie auszutauschen gibt nicht nur Sicherheit, sondern kann uns selbst, unseren Lieben oder unseren Hinterbliebenen auch Trost spenden. Wenn Gewissheit darüber herrscht, was jemand am Lebensende wirklich möchte und wünscht, fallen alle weiteren Entscheidungen wesentlich leichter. Dazu ist das „Wissen, was zu tun ist“ ein immer noch unterschätzter Teil der Problembewältigung, Gefühlsverarbeitung und Trauerarbeit.

Keiner sollte vom eigenen Leben erwarten, alles Vorstellbare erlebt und getan zu haben. Auch die realistische Einschätzung dessen, was in der eigenen Vergangenheit zu bestimmten Zeiten möglich war – oder auch nicht – verhindert vielfach das belastende Gefühl, etwas verpasst zu haben. Zudem bestätigen Hospizmitarbeiter, Psychologen und Sterbebegleiter: Es ist äußerst heilsam, Zwischenbilanzen zu ziehen. Zu bestimmten Jahrestagen oder zum eigenen Geburtstag. Wie sieht mein derzeitiges Leben aus? Wo wollte ich eigentlich hin? Kann ich mit meinem Leben nicht auch völlig zufrieden sein, wie es war und ist? Dies helfe, realistischer auf die eigene Biografie zu schauen und möglicherweise „Kurskorrekturen“ vorzunehmen. Dazu gehört es vor allem auch, zwischenmenschliche oder innerfamiliäre Streitigkeiten beizulegen.

Von zentraler Bedeutung für eine friedliche Gemütslage am Lebensende: Anstelle des „mehr Wollens“ ein ruhiges „Genug“ setzen. Dies kann unglaublich zufrieden machen. Überdies müssen wir uns im Leben ständig von allem Möglichen verabschieden. Von Ideen, Vorstellungen, Gedanken, Träumen, Gefühlen, Wünschen etc. Da wäre es doch sinnvoll, sich auch von Emotionen wie Ärger, Neid, Wut oder gar Hass endgültig zu trennen.

Der Schlüssel dazu? Akzeptanz. Wenn wir das akzeptieren können, was sich in unserer Vergangenheit ereignete und in der Gegenwart geschieht – und auch das akzeptieren können, was sich in unserer Vergangenheit nicht ereignete und gegenwärtig vielleicht nicht mehr geschehen kann.

Dann ist die Wahrscheinlichkeit hoch, dass wir Frieden mit dem eigenen Leben schließen können. Das können wir nur selbst. Es liegt zum großen Teil in unserer eigenen Verantwortung, in einer zufriedenen und friedlichen Stimmung zu gehen.

Stephanie Tamm

Foto: Pexels

Quellen:

Statistisches Bundesamt, Pressemitteilung vom 15.11.2017

https://www.destatis.de/DE/PresseService/Presse/Pressemitteilungen/2017/11/PD17_408_126.html

DHPV-Pressekonferenz – 20.08.2012

http://www.dhpv.de/tl_files/public/Aktuelles/presseerklaerungen/2012-08-20_PK-Sprechzettel-Bevoelkerungsumfrage.pdf

Silke Pfersdorf: Besser sterben. Psychologie Heute, 12/2016, 70-73